Moin! Tja, das war wohl nix. War letzte Woche der Blog noch mit einem Sieg gestartet, muss ich heute die erste Niederlage behandeln, und damit es so richtig schwer fällt hat man sich gleich eine richtig dämliche Niederlage in Hannover eingefangen. Wie das Ganze zu erklären ist, und was – immerhin untertitle ich diese Seite mit „Optimistenblog“ – man so positives aus dem Spiel mitnehmen kann, das lest ihr hier:

Das letzte Spiel: Hannover 96 3:1 Spielvereinigung Fürth


Unzufriedenheit nach dem Spiel. Bildquelle: Nordbayern.de

Denn um den kompletten Kontext dieser Niederlage und des Spieles zu ergreifen, muss man ein klein wenig in die Vergangenheit ausholen: Wie schon im letzen Blogbeitrag beschrieben, hatte Hannover 96 im Gegensatz zum VfB Stuttgart einige Vorteile bei der Kaderplanung – einerseits simpel daraus folgend, dass der Abstieg für Hannover im Grunde seit dem Jahresbeginn 2016 nur noch eine Frage der Zeit war, und dementsprechend die Kaderplanung schon lange im Voraus begonnen werden konnte. Andererseits haben sich viele Spieler aus Hannovers Team dazu entschlossen, trotz des Abstiegs beim Verein zu bleiben: Tschauner, Sorg, Anton, Sané, Albonorz, Schmiedebach, Fossum, Karaman, Klaus, Sobiech – also insgesamt ganze 10 der 11 Akteure (also außer dem ex-Paulianer Maier alle) vom Spiel am Sonntag – standen mindestens schon in der Rückrunde 2015/16 im Kader der Sechsundneunziger. Dieser Fakt sagt zweierlei aus:

Einerseits waren das allesamt Spieler, denen man in Hannover Bundesligafußball zugetraut hatte, sonst wären sie nicht zur Bundesligazeit nach Hannover gewechselt. Und andererseits hebelt das die vielbeschworene Vorteilskraft der Fürther Eingespieltheit aus, da Hannover ebenso eingespielt ist bzw. war. Zwar musste Hannover einige wichtige Abgänge verbuchen (Zieler, Kiyotake, Gülselam, Schultz, Sakai), jedoch hat man das dieser Mannschaft – um sich mal dem Spiel am Sonntag zu widmen – gerade zu Beginn des Spiels, in den ersten 15 Minuten nicht anmerken können. Die Mannschaft um Kapitän Schmiedebach hatte keinerlei Probleme, die Kontrolle zu übernehmen und sich erste Chancen herauszuspielen. Nach nur 7 Minuten wurde es so zum ersten Mal richtig gefährlich, als unser ex-Spieler Klaus den am Sonntag oftmals überforderten Narey überspielte und den Ball zu Sobiech brachte, der den Ball auch an Megyeri vorbeibrachte, am Ende jedoch seinen Meister in Caligiuri fand. Und auch in den folgenden Minuten gab es einige brenzlige Situationen für die Spielvereinigung, die man dann – mehrfach mit einigem Glück – überstehen konnte. Nach circa 20 Minuten hatte Hannover ein wenig Energie einbüßen müssen, und die SpVgg konnte sich erstmals aus dem Dauerdruck befreien – und wie das Pech will, just in dieser Zeitphase, als die Fürther es endlich schafften, das Spiel zu beruhigen und etwas Kontrolle hineinzubringen griff Megyeri bei einer Flanke daneben, sodass Fossum frei vor dem Tor geradezu eingeladen wurde, das Tor zu erzielen.

Dieses Tor, gefallen zu einem psychologisch äußerst bitterem Zeitpunkt, brach die kurzzeitige Kontrolle der Kleeblätter wieder, und bis zur Halbzeit gab es kaum nennenswerte Versuche, nach vorne zu spielen – das 1:0 zur Halbzeit war also höchstverdient. Letzten Endes war das eine desaströse Halbzeit der Spielvereinigung, bei der man sich von diesem anfänglichen Sturmlauf Hannovers zu sehr einschüchtern ließ und die eigenen Stärken zu keinem Zeitpunkt auf den Platz bringen konnte. Das komplette Gegenteil zeigte sich anschließend in der zweiten Halbzeit: Der Spielvereinigung wurde offenbar von Trainer Ruthenbeck in der Halbzeit ordentlich der Marsch geblasen, anders lässt sich diese komplett andere zweite Halbzeit nicht erklären. Mit dem Wechsel Dursun für Vukusic, also ein großer, starker Stürmer für den blassen (was aber nicht zwingend seine Schuld ist), kleinen Vukusic und einer komplett offensiven Taktik präsentierte sich die Spielvereinigung in einer Form, in der man eigentlich nach 65 Minuten in Führung gehen muss. Plötzlich hatte man den Respekt und die Furcht vor den „großen“ Hannoveranern abgelegt, und sich daran erinnert, dass man selbst eine der – meiner Meinung nach – besten Offensivreihen der zweiten Liga stellt. Mit schnellen, gescheiten – teils brillanten – Aktionen haben sich die Akteure in Weiß insbesondere über die rechte Seite immer wieder bestechend freigespielt, sodass man meinen könnte, Fürth wäre der große Favorit. Doch – und das sagte ich ebenfalls schon letzte Woche – man sah in dieser Phase genau, warum die Spielvereinigung kein Aufstiegsfavorit ist: Bis zu dem Punkt, wo irgendjemand das Tor erzielen müsste, sind die Offensivaktionen mit Hand und Fuß hochqualitativ, doch dann fehlt etwas.

Oder, um genauer zu sein, es ist zu viel vom unbedingten Willen, das Tor zu machen, vorhanden – und die Coolness fehlt. Nach nur drei Minuten Berisha an den Pfosten, Dursun etwas voreilig nach 52 Minuten, Zulj in der 54. im Abseits und in der 70. mit einem erschreckend schwachen Abschluss, Hofmann nach 63 Minuten fand ebenfalls seinen Meister in Tschauner. All diese Aktionen wären sicher ein Tor geworden, wäre ein wenig mehr Souveränität da, die angesprochene Coolness, die Selbstverständlichkeit „Den Ball mach ich jetzt“. Ein spezielles Wort dabei über Sebastian Freis, der komplett frei vor dem Tor (60.) kläglich vergab: Seine Zeit ist gekommen. Er hat viele, wichtige Tore geschossen und ist immer wieder für einen unkonventionellen Lauf durch die Abwehr gut. Das kann jedoch nicht überspielen, dass er für mich große technische Defizite aufweist, so verspringt ihm zum Beispiel gefühlt jeder zweite Ball, und auf den Außen vertändelt er den Ball auch etwas zu häufig. Hier wäre es für mich angebracht, in den nächsten Wochen Sercan Sararer auf diese Stammposition zu ziehen, die Sebastian Freis derzeit besetzt. Doch: für das Spiel in Hannover hilft das auch nichts mehr.

Dort lief es so, wie es eben laufen muss wenn der Gegner über Qualität im Offensivbereich verfügt (also im Gegensatz zu 1860 letzte Woche): Die gefühlt erste Chance Hannovers in der zweiten Halbzeit wurde zielstrebig von Sebastian Maier zum 2:0 verwandelt. Dieser Schock für das Kleeblatteam gab den Startschuss für die letzten 15 Minuten, in der jeder verzweifelte Angriff der Fürther von einem Konter der Hannoveraner gefolgt wurde, und die Niedersachsen – nach 4:0 in K’Lautern und bei 2:0-Führung logischerweise – verfügten über angesprochene Coolness, und machten durch Harnik auch noch das 3:0 – gefolgt von einem Ehrentreffer von Berisha, der – als es „eh schon egal“ war – wahrlich gut freigespielt wurde und dann einen nicht einfachen Ball im Tor unterbrachte. An der Niederlage änderte das freilich nichts mehr – und so stellt sich nun die Frage: Wie ist diese – aufgrund der starken 45 Minuten vor der Halbzeit und 20 nach dem 2:0 ohne Zweifel verdiente – Niederlage einzuordnen?

Ich denke: Als sehr wichtige Lehrstunde für das Team, wie man in der weiteren Saison vorgehen muss. Der Spielverlauf gegen Hannover spricht eine deutliche, unüberhörbare Sprache: Das Team von Stefan Ruthenbeck muss selbst agieren und offensiv spielen! Der Versuch, mit diesem Team einen defensiven Spielstil aufzubauen ist grandios gescheitert, in einer Drucksituation, wie Hannover 96 sie aufbauen konnte ist unsere Verteidigung instabil und immer für Aussetzer – am Sonntag besonders in Persona Narey und Megyeri, aber auch Gießelmann, Caligiuri und Franke wirkten nicht immer sicher – gut. Für das weißgrüne Team greift ein uraltes Sprichwort: Angriff ist die beste Verteidigung! Alsbald man in der 2. Halbzeit begann, Hannover selbst anzugehen, nach vorne zu spielen, wurde der in der ersten Hälfte mächtigere Gegner plötzlich selbst fahrig und unsicher, und es boten sich Chancen en masse. Diese Erkenntnis muss man nun nutzen für die Spiele gegen andere Topteams wie zum Beispiel Stuttgart in knapp einem Monat – denn wenn man bis dahin den Abschluss verbessern kann, und dafür eignet sich unter anderem das Spiel gegen Norderstedt (kurzer Gedanke: Dafür braucht es auch keine weiteren Stürmer, wie gerne mal gefordert – denn wenn die aktuelle Mannschaft den Knoten löst, ist unsere Offensivreihe auch aktuell schon wahrlich gut besetzt.), sind wir in keinem der verbleibenden 32 Saisonspiele als Chancenlos anzusehen.

Es muss ganz klar gesagt werden: Defensive Spielweise klappt nicht mit unserem Kader! Wir MÜSSEN offensiv agieren, statt zu reagieren! Und um diesen Gedanken, dass wir in keinem Spiel chancenlos sind, weiterzuspinnen: Sollte es gelingen, dem Team den Respekt und die Angst vor den großen Gegnern abzunehmen, und die Coolness vor dem Tor wiederzuentdecken, dann könnte uns eine Saison bevorstehen, an deren Ende unser Team für eine Überraschung sorgen kann. Aber auch all dies ausgeklammert: Eine Niederlage gegen Hannover 96 ist keinesfalls eine Enttäuschung, nur die Art und Weise! Man muss sich erinnern, wie gering die Erwartungen an die Partie waren, und dass man von der Leistung in der 2. Halbzeit doch positiv überrascht wurde – und gegen eine der Topmannschaften der Liga ein derartiges Spiel abzuliefern, das ist eine respektable Leistung! Wenn man sich all das in den Kopf ruft, dann bleibt mir nach dem Ärger über die unnötige Niederlage nur so viel: Ich freue mich wirklich auf den weiteren Verlauf der Saison, denn mit dem teils befürchteten schlechten Abschneiden oder gar dem Abstieg wird dieses Team wahrlich nichts zu tun haben.

Vorbericht: Eintracht Norderstedt – SpVgg Fürth (DFB-Pokal)


Zuletzt in der ersten Pokalrunde im Hamburger Fußball-Verbands-Gebiet. (Aus Ermangelung eines Spiels in Norderstedt.) Quelle: www.spvgg-fuerth.com

Diesmal ohne fesche Überleitung, aber dafür mit Bezug auf das eben geschriebene: Das Spiel in Norderstedt tun einige als blanke Pflichtaufgabe für unsere Spielvereinigung ab, und keine Frage, das Spiel muss gewonnen werden! Aber: dieses Spiel sollte man von Seiten der Fans und des Vereins nicht allzu tief hängen! Denn wenngleich es gegen einen Klub aus den unteren Ligen geht ist folgendes zu beachten: 1. Es geht um viel Geld! 264.000 Euro (Quelle: Focus) sind zu vergeben, das ist für unseren Verein eine Menge Geld – etwas höher zB als die kolportierte Summe für Johannes Wurtz. 2. Es ist eine Chance für den Sturm, den Knoten zu Lösen! Denn es ist nicht zu erwarten, dass Norderstedt unser Team vor ähnliche Probleme stellt wie Hannover, und sollten Freis, Tripic und Co ein Tor erzielen kann das für die Mentalität der Spieler wichtig sein. Und 3. Es ist immerhin ein Regionalligist! Mit dem 11. Platz in der Regionalliga Nord letztes Jahr zwar kein Spitzenclub der Regionalliga, aber dennoch sollte man einen Regionalligisten niemals unterschätzen, im – für die Spieler des FCE – Spiel des Lebens können ungeahnte Kräfte freigesetzt werden. Man sollte das Spiel also nicht auf die zu leichte Schippe nehmen – aber diese Befürchtung hege ich kaum.

Ich gehe dabei mit gutem Beispiel voran und versuche hier, wie ich es jede Woche handle, die für unser Spiel interessanten Fakten und Tatsachen rund um den Verein hier etwas zusammenzufassen und den Gegner vorzustellen. Dies ist dabei – wie man schon letzte Woche gegen Hannover sah – vor allem auf die jüngste sportliche Geschichte bezogen. Nur muss man dazu hier sagen, dass der Autor dieses Blogs zwar eine gewisse Vorliebe für den Norden und Hamburg (bzw. Schleswig-Holstein: Norderstedt liegt an der Grenze zu Hamburg, ist im Hamburger Fußballverband, aber nicht Teil der Stadt) hegt, aber nicht über die Regionalliga Nord – deswegen bin ich nicht in der Lage, einen derart ausführlichen Bericht über den FCE zu schreiben, wie das letzte Woche der Fall war. Führt man sich jedoch die bisherigen Spieltage in der Regionalliga Nord vor Augen, dann scheint es sich bei Norderstedt wie auch die letzten Jahre ein Jahr im Mittelfeld der Liga anzudeuten. Zwei Niederlagen (0:2 gegen Hannover 2, 1:2 gegen Weiche Flensburg) und zwei Siege (2:1 gegen Lupo Martini Wolfsburg und Eintracht Braunschweig 2) sind die bisherige Bilanz, in der Tabelle steht Norderstedt auf dem 7. Platz.

Andererseits, die bisher geschlagenen Gegner liegen auf Platz 17 und 18 mit jeweils 3 Niederlagen – ob die Eintracht dadurch wirklich in Form ist, lässt sich schwer sagen. Eines jedoch bekam ich auch aus der Ferne mit: Mit Björn Nadler verließ vor einer Woche ein wichtiger Baustein im Mittelfeld – sowie ein wichtiges Mitglied des Mannschaftsgefüge – den Verein aus „beruflichen und privaten“ Gründen, verlassen hat – ob und wie das den Verein beeinträchtig, vermag ich jedoch nicht zu sagen. Aufschlussreicher ist jedoch ein Interview auf fussball.de, in dem der Trainer der Eintracht befragt wird. Besonders die Aussage „Wer meine Fußballphilosophie kennt, der weiß, dass ich mich nie hinten reinstelle. Auch im DFB-Pokal werde ich nicht damit anfangen“ sollte aufmerksam machen – hierin liegt sowohl die Chance für den Sturm, zu vielen Chancen zu kommen als auch die Gefahr für das Team, selbst Tore zu kassieren, sollte man das Spiel auf die leichte Schulter nehmen. Ich erwähnte es zwar bereits, aber: Der erst 2003 Gegründete FC Eintracht wird zweifelsohne alles, und zwar wirklich alles dafür tun, gegen unsere SpVgg für eine Überraschung zu sorgen – unsere Spieler müssen also zwingend hellwach sein, um der Favoritenrolle gerecht zu sein.

Nichtsdestotrotz hoffe ich persönlich auf zwei Dinge: Erstens, dass die Mannschaft nach dem Ausscheiden in Aue letztes Jahr dieses Jahr souverän in die zweite Runde des Pokals vorrückt. Und Zweitens: Bei allem Mahnen, das Spiel ernst zu nehmen, hoffe ich persönlich auf etwas Spielzeit für junge Akteure – im Besonderen Kirsch, Schad und Steiniger, aber auch Gugganig könnten in diesem Spiel zu einem Auftritt kommen. Dies jedoch ist mehr persönlicher Wunsch denn Erwartung – und ganz besonders im Pokal zählt letzten Endes „egal wie, Hauptsache weiterkommen“ – und mit dieser Phrase (und wieder 5€ ins Schwein) beende ich diese leider etwas weniger detaillierte Gegnervorschau – und wünsche uns allen ein schönes, faires und vor allem erfolgreiches Spiel in Norderstedt!

MEIN TIPP: NORDERSTEDT 1:6 KLEEBLATT
Gegnerstatistiken:

Gibt es dieses Mal nicht – dies ist das erste Spiel überhaupt gegen Norderstedt.

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