Moin Moin! Für alle Fürther Freunde, die sich auf die Nachbereitung zum Pokalspiel in Norderstedt freuten – diese muss leider ausfallen. Ich weile derzeit im Urlaub, und konnte von dem Spiel daher nichts sehen – aber Sieg ist Sieg. Stattdessen werde ich wohl eine Vorschau zum Spiel in Aue verfassen am Freitag. Hier wird es heute zum ersten Mal über den SV Werder Bremen gehen, nachdem die Bundesliga demnächst beginnen wird. Vor allem dreht sich das um die Frage „Kann diese Saison so gut gehen?“

Werder auf dem Transfermarkt


Königstransfer Max Kruse. Bildquelle: T-Online.de

Betrachtet man den Kader an sich, so muss die Antwort eigentlich „Ja“ heißen – alternativlos. Zwar hat sich Werder nur wenige Tage nach der vermiedenen Relegation von Thomas Eichin getrennt, und dafür Frank Baumann als neuen Manager eingesetzt – was inkl. mir einige Fans des SVW in große Rage brachte und dazu verleitete, dystopische Voraussagen zu treffen – doch diese Maßnahme scheint bisher sogar zu fruchten. Denn was Frank Baumann bisher in seinem Amt leistete – also die Transfers – das kann sich in der Tat sehen lassen. Dabei will ich den Blick auf die einzelnen Positionen richten: Werders Top-Innenverteidiger Jannik Vestergaard, vor eineinhalb Jahren für wenig Geld aus Hoffenheim gekommen, tat den für alle Seiten verständlichen nächsten Schritt in seiner Karriereleiter und wechselte für ca. 12,5 Millionen Euro von der Weser an den Niederrhein (nicht, dass M’Gladbach am Rhein liegen würde, aber die Region nennt sich nun mal so) und spielt ab dieser Saison für die Borussia Mönchengladbach, und damit aller Voraussicht nach in der Champions League. Der andere Innenverteidiger, Papy Djilobodji, ging nach seiner Leihe zurück zum FC Chelsea – und von dort nach Sunderland. Auch Alejandro Gálvez verließ den Verein, und wechselte für ein kleineres Sümmchen zum äußerst sympathischen Erstligisten SD Eibar aus Spanien, und zuletzt verließen mit Mateo Pavlovic und Oliver Hüsing zwei weitere Innenverteidiger – allerdings aus der Reserve – den Verein, und zwar nach Angers (Frankreich, Pavlovic) und Budapest (Ungarn, Hüsing). Nun könnte man meinen, dass die Abgänge von gleich 3 qualitativ guten Innenverteidigern nicht einfach zu verkraften wären – und gerade deswegen hat man sich angestrengt, ganze vier Innenverteidiger zu verpflichten. Bzw., mit Niklas Moisander (Sampdoria, 1,8 Mio), Fallou Diagne (Stade Rennes, 1,5 Mio) und Laminie Sané (Bordeaux, Ablösefrei) drei komplett neue Innenverteidiger, und mit dem aus Darmstadt nach Leihe zurückgekehrten Caldirola einen alt bekannten Innenverteidiger. Diese Zugänge, allesamt gekommen aus Top-Ligen Europas und allesamt gesegnet mit reichlich Spielzeit in der letzten Saison, traue ich persönlich es durchaus zu, die Lücken von Vestergaard und Djilobodji zu stopfen und – durch den größeren Konkurrenzkampf im Team – vielleicht sogar eine Schippe draufzulegen. Denn bei all den guten Aktionen von JV7 und Papy darf man ja nicht vergessen, dass beide gerne mal für den ein oder anderen groben Schnitzer gut waren – man erinnere sich nur an das Derby in Hamburg. Von daher besteht sogar leise Hoffnung, dass man defensiv etwas sicherer steht nächstes Jahr – aber zumindest nicht schlechter als das letzte Jahr. Besonderes Augenmerk musste man auch auf den Sturm legen – denn mit Anthony Ujah ging ein Mann, der eigentlich diese Saison nur wichtiger werden konnte, denn Claudio Pizarro und sein Körper werden bekanntlich nicht jünger, und sein komplettes Sturmglück auf einen fast-40-Jährigen abzulegen ist äußerst gewagt. Doch Ujah zog es – auch wieder für alle Seiten verständlicherweise – vor, für viel Geld nach China zu wechseln, wo er für ein viel höheres Gehalt in seinem Team ebenso wichtig ist. Und gerade auf dieser Position im Sturm hat Werder ganz nach der alten Werder-Schule „Angriff ist die beste Verteidigung“ so richtig zugelegt: Von Thomas Eichin initiiert wurden die Transfers von Justin Eilers und Lennart Thy (aus Dresden und St. Pauli, je ablösefrei), die beide zwar mehr in der zweiten Sturmreihe platziert sind, und sich daher öfters auf der Bank denn auf dem Feld wiederfinden werden, aber dennoch den Bremer Sturm im Vergleich zum Letzen Jahr deutlich reicher an Alternativen machen. Denn dort war es für den SVW schon ein großes Problem, wenn Pizarro ausfiel, denn neben ihm gab es nur Ujah, den Mittelfeldspieler Bartels und den 2.-Mannschafts-Spieler Melvyn Lorenzen. Aber nicht nur auf der Ersatzstürmerrolle wurde zugelegt – mit Max Kruse konnte der SV Werder darüber hinaus einen Stürmer verpflichten, der immerhin bis zum letzten Jahr Stammnationalspieler war, und der mit Wolfsburg und Gladbach internationale Erfahrung an den Tag legt. Und auch Aron Jóhannsson kehrte nun nach langer Verletzung wieder zurück – und dennoch steht der Sturm vor einem Problem, wenn mit Kruse und Pizarro beide geplanten A-11-Stürmer ausfallen (wie aktuell), denn während Thy und Eilers noch nie Bundesligaqualitäten beweisen konnten, ist Jóhannsson nach einem Jahr Verletzung weit von einer guten Form entfernt. Die Verpflichtung eines weiteren offensiven Akteurs – aufgrund der vielen Verletzungen aktuell eher per Leihe denn permanent – ist daher dringend empfehlenswert. Zu guter Letzt gibt es noch Johannes Eggestein, der mit zarten 18 Jahren der Youngster im Sturm ist – aber niemals unterschätzt werden sollte, es waren wohl kaum umsonst zahlreiche Top-Klubs aus Europa am mehrfachen Juniorennationalspieler und Juniorenbundesliga-Topscorer dran. Doch selbst der beste Stürmer hilft nichts, ohne die richtigen Männer zur Unterstützung, doch auch hier hat sich Werder in der Transferphase verstärkt. Die offensiven Außen haben zwar Levin Öztunali verloren, doch mit dem Rückkehrer Izet Hajrovic (so man ihn denn wieder ans Team kommen lässt) und dem Neuzugang Kainz aus Wien bietet sich Werder dafür insgesamt eine Option mehr – zusätzlich zu Grillitsch, Yatabaré und Bartels, welche hier bereits öfter spielten. Auch im defensiven Mittelfeld hat sich Werder verstärkt, und den immer bemühten, doch nie überzeugenden Felix Kroos gegen den Griechen Thanos Petsos (ebenfalls aus Wien) getauscht. Ob der bereits im Winter gekommene Milos Veljkovic hier eine Rolle spielen wird, wird sich noch zeigen – doch im Allgemeinen wird auf dieser Position wohl vor allem der Nachfolger für Clemens Fritz gesucht, der überraschenderweise noch ein Jahr drangehängt hat. Die wohl unscheinbarste Transferaktivität war die Verpflichtung von Jaroslav Drobny, der die Rolle von Tremmel als erfahrener zweiter Keeper übernehmen soll – und dabei ausgerechnet vom Rivalen aus Hamburg gekommen ist. Auf der Abgänge-Seite sind dabei noch die Transfers des ewigverletzten Özkan Yildirim, des Reservisten Felix Kroos, des 2.-Mannschafts-Spielers Julian von Haacke, sowie die Ausleihen von Kleinheisler (Darmstadt), Busch und Aycicek (Beide 1860) zu erwähnen – welche jedoch alle kaum eine Rolle im Team der Grün-Weißen gespielt hätten. Resümierend kann man auf eine durchaus erfolgreiche Transferperiode zurückblicken: Für alle Abgänge kamen neue, qualitativ hochwertige Spieler – und darüber hinaus wurde ein üppiger Transferüberschuss erzeugt, den der Verein auf seinem Weg in die schwarzen Zahlen auch bitter benötigt hatte. Jüngster Werdertransfer war Olympia-Fahrer Robert Bauer vom FC Ingolstadt, welcher auf beiden Außenbahnen als Verteidiger eingesetzt werden kann, und wohl als Backup bzw. mittelfristiger Ersatz für Theo Gebre Selassie (der dafür eine Station nach vorne rücken könnte) gedacht ist. Für mich als Fan ist es sehr positiv zu sehen, dass der SVW sich in dieser Transferperiode nicht darauf beschränkt hat, sondern sich rein personell auf einigen Positionen verbessern konnte (vor allem in die Breite des Kaders). Doch ein jeder Fußballfan weiß, dass ein guter Kader alleine nichts reißt – dafür muss man nur mal zu besagtem TSV 1860 München oder auch nach Hamburg schielen. Und in den letzten Jahren gab es zuverlässig einige Faktoren, die das eigentliche Niveau des Kaders herunterzogen.

Von Viktor Skripnik und dem Spiel in Lotte

Zuletzt in München. Bildquelle (und Copyright): Werder Bremen
Vor zwei Jahren war das noch Robin Dutt und (s)eine Kaderfehlplanung. Davor war es die mittlerweile mehr als ausrechenbare Spielidee des Thomas Schaaf. Und nun? Nach dem Jahr 2014/15 dachte man, es ginge mit Viktor Skripnik endlich bergauf – doch weit gefehlt: Am Ende stand sogar eine der schlechteren Leistungen der Vereins-Bundesligageschichte zu Buche. Dabei stellte sich, bereits seitdem die Tendenz nach unten zu erkennen war, folgende Frage: Wie konnte es passieren, dass Werder trotz dem (zumindest anfangs) beliebten Skripnik, direkt nach einer – im Endeffekt – sehr guten Saison wieder fast absteigt? Um die Antwort darauf zu finden, muss man in besagte Saison zurückgehen: Nachdem Robin Dutt gegangen wurde, begann der SV Werder so plötzlich wie unerwartet, erfolgreichen Fußball zu spielen, dass man der Meinung sein konnte und war, Viktor Skripnik sei ein wahrer Zauberer des Fußballs. Man konnte den BVB schlagen, Leverkusen schlagen, es gab ein Spektakel gegen den VfL Wolfsburg, und so weiter – zu Beginn der Rückrunde gab es ganze 4 Siege hintereinander! Doch ebenso war bereits in dieser Rückrunde der Effekt des Viktor Skripnik dabei, zu verblassen: Nach dem Pokalaus gegen – wen wundert’s? – Drittligist Bielefeld konnte man lediglich noch 3 Spiele von 11 verbleibenden gewinnen (Freiburg, Frankfurt, Hamburg – jeweils 1:0), 4 wurden verloren, es gab 4 Unentschieden. Bereits hier war deutlich sichtbar, worauf der Skripnik-Effekt baute: Motivation, Mannschaftsgefühl, Hurra-Fußball. Diese 3 Faktoren konnte Skripnik jedoch nicht einmal eine komplette Rückrunde über in der Mannschaft halten, gegen viele Gegner (Hannover, Paderborn, Stuttgart) agierte der SVW ideenlos und träge. Und mit dieser ersten Abwärtstendenz kamen auch die ersten Zweifel an Skripnik, die damals jedoch nur belächelt wurden. Doch nun, ein Jahr später, ist das Gros der Werderfans um einiges Wissen reicher: Denn auf diese gute Saison folgte eine Saison mit vielen Schrecken und nur wenigen positiven Momenten – vor allem im Pokal (was meiner Meinung nach kein Zufall, sondern eher der Beleg dafür ist, dass Skripnik eine „do or die“-Mentalität an die Spieler übermitteln kann, welche jedoch im Ligaalltag nur bedingt hilft.) Dort, in der Liga, gab es deftige Niederlagen (Dortmund, Wolfsburg, Hamburg), unter anderem 5 Niederlagen in Serie zu Saisonbeginn. (ST 5-9) – Doch die wenigen Lichtblicke (Pokal, 2:1 in Augsburg, 3:1 auf Schalke, 4:1 gegen Bayer 04 und Hannover) vermochten es immer wieder, Werders reale Chancen auf den Klassenerhalt zu wahren. Jedoch muss man zur ganzen Wahrheit auch sagen, dass dieser dann kein Zufall war: Die drei letzten Heimspiele – Wolfsburg, Stuttgart, Frankfurt) wurden von Fans, Presse, Mannschaft, etc. zu Schicksalsspielen erklärt, dementsprechend gut war die Unterstützung im Stadion, dementsprechend gut griff hier Skripniks Motivationsstärke (trotz zweiter Derbyniederlage) und die angesprochene Mentalität, und so ist der Nichtabstieg doch gewissermaßen eine Leistung Skripniks Der eigentliche Grund zum Jubeln wurde jedoch schnell davon getrübt, dass diesem erneut der Rücken gestärkt wurde – zumindest aus meiner Sicht. Denn wenngleich er zweifelsohne eine von Grund auf ehrliche und sympathische Ausstrahlung hat – für einen Bundesligatrainer reicht es bei ihm (noch?) nicht, und seine auf der Bank nicht allzu erfahrenen Co-Trainer sind dabei auch nicht zwingend förderlich. Große Taktische Defizite sind in kaum einem Spiel des SV Werder zu übersehen, die Koordination von Angriff und Abwehr gerät in zuverlässiger Regelmäßigkeit zum großen Problem für das Team. Kaum ein Angriff von gegnerischen Teams, bei dem man sorgenlos sein könnte, denn individuelle Böcke oder plötzliches Kollektivversagen der Abwehr sind ständige Begleiter des skripnikschen SV Werder. Doch dem zu Trotz: Wir alle sollten uns nach dem Pokalaus gegen die Sportfreunde Lotte beruhigen. Ja, zum x-ten Mal gegen einen Drittligisten ausscheiden ist ein mehr als vermeidbares Schicksal. Ja, diese Niederlage war auf gewisse Art peinlich und vermeidbar. Und ja, das muss als deutliches Warnzeichen für die Anstehende Saison 16/17 gesehen werden. Doch andererseits: Auch die SF Lotte sind ein vollständiges Profiteam. Zudem haben sie den Vorteil, bereits vier Pflichtspiele absolviert zu haben, während der SV Werder noch aus der Sommervorbereitung kommt, und natürlich scheiterten auch andere Teams aus dem Profitopf (Leipzig, Bochum zB) – und aus dieser Niederlage ein blamables Abschneiden des SVW auf dem letzten Platz mit unter 20 Punkten vorherzusagen ist nicht „pessimistisch“, sondern realitätsfern. Denn: trotz dem Pokalausschieden in Münster, Heidenheim, Saarbrücken, Bielefeld (Diese Liste ist definitiv zu lang.) unter verschiedenen Trainern stieg der SVW zuletzt vor 30 Jahren ab, und nicht vor 2 Jahren. Und auch wenn man gegen den FC Bayern hoch verliert – was mittlerweile nicht mal mehr eine Schande ist – so denke ich dennoch, dass selbst mit Viktor Skripnik als Cheftrainer am Ende der Nichtabstieg stehen würde. Doch dieser optimistische Blick auf die Situation soll keinesfalls ein Appell für einen Verbleib des Cheftrainers sein: Viel mehr bin ich der Meinung, dass trotz Skripnik die Klasse gehalten würde. Denn – wenn es eng würde, würde er sicherlich erneut diese „Do-or-Die-Mentalität“ beschwören können. Aber ist das die Zukunft? Natürlich kann das nicht die Zukunft sein, da kann ich nicht einmal die rhetorische Frage stehen lassen. Deshalb fordere ich weiterhin (das tat ich belegbar zum ersten Mal nach dem 1:1 in Stuttgart 2015/16), dass der Cheftrainer Viktor Skripnik seinen Stuhl für einen neuen Mann hergeben muss, welcher aus diesem Kader auch das herauszuholen vermag, was er zu leisten in der Lage wäre: Wie bereits ausführlich dargelegt, ist dem SV Werder mit diesem Kader an und für sich ein einstelliger Tabellenplatz zuzutrauen! Aber noch befinden wir uns in der VS-Mentalität. Und die schaut so aus, dass wir morgen gegen den großen FC Bayern antreten müssen. Dieses Spiel könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen als jetzt, ist die Stimmung in Bremen doch ohnehin schon mehr als getrübt – und deswegen ist auch mein Rat an alle, trotz einer erwartbaren hohen Niederlage sollten wir alle die Ruhe bewahren. Wie es mit dem SV Werder direkt weitergehen wird, vermag wohl niemand genau zu sagen. Doch meine Tendenz ist klar, der SV Werder wird auch 2016/17 nicht absteigen – aber das darf auch nicht der Anspruch sein für den Verein. Ich bin jedoch ehrlich und gebe auch VS – trotz Skepsis – noch etwas Zeit, hoffe aber, dass die Verantwortlichen sich spätestens gegen November der Verantwortung bewusst sind und dem Tabellenstand zu der Zeit entsprechend reagieren – im Gegensatz zu einigen Gelegenheiten letzter Saison. Auf die Anfangsfrage bezogen: Ja, das kann gut gehen – wenn man sich mit dem Klasssenerhalt bzw. dem unteren Drittel zufrieden gibt.

Und damit will mich nach einem doch etwas längerem Beitrag dafür bedanken, dass ihr euch die Zeit zum Lesen genommen habt, und hoffe auf einiges Feedback.

Euer Danny 🙂

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