Einen schönen guten Mittwoch-Abend! Was ein Drama. Da meint man nach 55 Minuten, dass man das Spiel locker gewinnt und ohne Sorgen auf die weiteren Minuten schauen könnte, doch offenbar war dem Team langweilig und man zielte auf ein wenig mehr Spannung ab – oder warum sonst gibt man ein 2:0 derart leichtfertig aus der Hand?

Das letzte Spiel: SpVgg Fürth 3:2 Erzgebirge Aue


Moment der Erlösung – 3:2 durch Franke. Bildquelle: SpVgg-Fuerth.com

So einfach, wie ich es mir gerade gemacht habe, kann man diese Frage dann doch nicht beantworten. Aber, bevor ich mich nun dem widme, will ich doch chronologisch vorgehen – und damit erstmal zur Spielvorbereitung: Mit Erzgebirge Aue hat man in Fürth ein Team erwartet, welches sich bisher über den Kampf und Leidenschaft definiert hatte – in den Medien sprach man allerdings davon, dass das Aue der Saison 2016/17 über Ballbesitz zum Erfolg kommen will. Bisher in der zweiten Liga sah das gar nicht mal so schlecht aus, Aue konnte in zwei Spielen einigermaßen gut mit dem Ball spielen, hatte bei der 1:0-Niederlage in Heidenheim fast 60% Ballbesitz – doch damit begannen die Probleme. Denn eines fiel ab da beständig auf: Man hatte es immer gut geschafft, den Ball nach vorne zu bringen – doch was dann folgte, war oftmals Ideen- und Substanzlos, wirklich hochkarätige Chancen waren kaum zu sehen. Und auch in der Folge war dies ein – wenn auch verbessertes – Manko, so wurden beide Tore beim Heimsieg gegen Sandhausen nach kapitalen Abwehrschnitzern erzielt. Um jedoch bei der SpVgg zu bleiben: Im Spiel gegen Aue gab Ruthenbeck erneut Serdar Dursun den Vorzug, Vukusic saß nur auf der Bank – und Megyeri kehrte ins Tor zurück. Im Spiel selbst stellte sich schnell heraus, dass die unseren deutlich besser ins Spiel fanden – nach nicht einmal einer Minute hatte Gießelmann eine Freistoßchance, nach nur 8 Minuten muss das Kleeblatt dann sogar die Führung übernehmen, als Berisha nach einem Hofmann-Traumpass frei vor dem Tor stand. Dass dieser seinem Ruf alle Ehre machte und den Ball kläglich über das Tor schoss führte dazu, dass Erzgebirge Aue besser ins Spiel fand und dem Kleeblatt selbst einige Probleme bereitete. In der 12. und der 14. Minute gab es je eine gute Chance für Köpke, der jedoch beide Male an Megyeri scheiterte, und auch in der Folge war Aue fast etwas besser im Spiel. Was man in dieser Phase beobachten musste war, dass sich beim Kleeblatt konsequent Aufmerksamkeitsfehler eingeschlichen haben: Mehrfach gingen einfachste Kurzpässe schief, es kam zu billigen Stockfehlern, Dinge die man von unserem Kleeblatt schon länger nicht mehr zu sehen bekam. Es war den Spielern deutlich anzumerken, dass man relativ ratlos war und erst erneut den Zugriff auf das Spiel finden musste. Um das zu erreichen wurde unter anderem auch auf das auszeichnende Pressing verzichtet – und zum Glück der Spieler gab es die ominöse Trinkpause, die Ruthenbeck zur Neuorientierung nutzte – was ihm jedoch außerordentlich gut gelang:

Ab diesem Zeitpunkt war das Spiel circa bis zur 60. Minute komplett in den Händen der weißgrünen Mannschaft, die verloren gegangene Ballsicherheit war wieder da, und auch das Pressing funktionierte. Dies zeigte sich allein dadurch, dass die besten Chancen (außer der angesprochene Berisha-Schuss) der SpVgg allesamt in diese Phase gefallen sind, und schließlich auch die beiden ersten Treffer. Ersterer erzielt durch Freis, nach einem seiner – wie ich es ausdrückte – unkonventionellen Lauf durch die Abwehr war er eiskalt zur Stelle. Damit soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass Freis vorher nahezu nicht in Erscheinung getreten ist – und auch im Anschluss kaum überzeugen konnte. Sein Tor im Gegenteil redlich erarbeitet hat sich dafür Serdar Dursun, der das komplette Spiel über durch hohen Einsatz und sehr viel Willen aufgefallen ist. (ein kurzes Wort dazu: Respekt an unser Team, dass sie diesen Spieler kostenlos gefunden haben. Nur ein weiterer Beweis für die gute Arbeit von Yildirim und Co) Insgesamt war diese Phase zwischen Minute 25 und 60 geprägt durch viele offensive Aktionen der SpVgg, die zuletzt nach dem 2:0 in einige Konter mündeten. Erneut – ebenso wie schon bei allen bisherigen Spielen – müssen die unseren zur 60. eigentlich schon 4:0 führen. Doch statt eines 4:0 durfte Aue in seinem ersten konsequenten Angriff der zweiten Halbzeit – der eigentlich auch nur aus Mario Kvesic bestand, der von als Abwehrspieler getarnten Slalomstangen begleitet wurde – den Anschluss zum 2:1 erzielen. Dieses Tor, vergleichsweise aus dem Nichts, hatte fatale Folgen: Aue witterte Morgenluft, und die SpVgg hatte von ihrem Sturmlauf in der vergangenen Phase ein die defensive Aufmerksamkeit aus den Augen verloren. Was nun folgte war die Rückkehr der defensiven Instabilität – und Aue war in dieser Phase das bessere Team. Man kann nichtmal behaupten, dass der Ausgleich in der 78. Minute ob der aktiveren Auer unvorbereitet gekommen wäre; vielmehr muss sich unser Team vorwerfen lassen, das Spiel beim Stand von 2:0 aus der Hand gegeben zu haben. Es hätte sogar gut und gerne noch das 3. Tor für Aue fallen können, man fühlte sich an das Spiel gegen Kaiserslautern letzte Saison erinnert – doch dieses Mal blieb das glücklichere Ende bei der SpVgg, als Marcel Franke eine Flanke von Tripic ins Tor köpfen konnte. Nach einigem, ausgelassenem Jubel stellte sich jedoch weiterhin die Frage: Warum?

Warum wir ein 2:0 herschenkten

Um diese nun schon zwei Mal gestellte Frage aufzugreifen: Eigentlich kann man es auf folgendes beschränken: Durch die unzähligen vergebenen Chancen der Spielvereinigung haben wir selbst entscheidend den Auern den Weg zurück in diese Partie bereitet. Mit jeder vergebenen Chance der Spielvereinigung lud man Erzgebirge Aue nur noch mehr dazu ein, sich wieder zurückzukämpfen – und auch wenn die Offensivbemühungen wie immer zu loben sind, müssen sich dringend zwei Dinge ändern (nicht, dass das noch nicht erwähnt wurde): Erstens: Die Chancenverwertung. Hier wurde in allen Medien schon mehr als genug gesagt, und dieses Problem ist wohl auch jedem bekannt. Dennoch will ich erneut gesagt haben, dass es endlich an der Zeit ist, die Chancenverwertung zu verbessern. Die Spieler haben nun 2 Wochen Zeit – außer dem Nationalspieler Berisha – gemeinsam am Abschluss zu trainieren, und auch wenn dieses Problem wohl kaum auf die Schnelle zu beseitigen ist, so wäre allgemein ein Fortschritt sehr wünschenswert. Problematischer jedoch ist die Abwehrunsicherheit. Wie bereits nach 1860 von mir befürchtet mussten wir gegen Hannover und nun Aue schmerzlich erfahren, dass unser Team gegnerischem Druck nicht gewachsen ist – beiden Toren ging ein größeres Chaos in der Abwehr (auf der linken Seite) voraus, und die Zuordnung stimmte hinten und vorne nicht. Gerade, wenn man sich das nächste Spiel ansieht, dann muss man dringend an beiden Problemen arbeiten (Düsseldorf hat seit der 12. Minute im 1. Spiel kein Tor mehr kassiert) um zu einem Punkterfolg einzufahren. Doch dies wird von mir wohl in einem späteren Beitrag (in genau einer Woche!) behandelt – jetzt möchte ich noch eine andere Sache ansprechen. Vielleicht ist es dem ein oder anderem aufgefallen, aber: Zum dritten Mal in Folge haben wir in der Hinrunde ein 2:0 noch aus der Hand gegeben! 2014/15 war das in Braunschweig (FT: 2:2); letzte Saison wurde aus 2:0 gegen Lautern eine 2:4-Niederlage, dieses Jahr eben das 2:0 gegen Erzgebirge Aue. In diesen beiden Saisons war das Spiel jeweils ein Knackpunkt: Gewinnt man gegen Braunschweig, dann steht man nach 10 Spieltagen auf Platz 4 mit 17 Punkten. So verliert man den Vorsprung, und in der Folge kann man kaum noch Spiele gewinnen (aus den letzten 25 Pflichtspielen nur 4 Siege), das Spiel also war ein deutlicher Knackpunkt. Und letzte Saison wäre man nach 16 Spielen und einem Sieg gegen Kaiserslautern auf Platz 3 gelandet, mit 27 Punkten. So verlor man dieses Spiel – und im Anschluss landete man in einem Tief, das man erst mit bzw. nach dem Derby in Nürnberg überwinden konnte – auch hier wäre die Saison anders verlaufen mit einem Sieg.

Wird die Saison besser?

Natürlich ist es viel zu früh, einen „Knackpunkt“ für die Saison heraufzubeschwören. Aber ich persönlich sehe auch durch diesen Willen, das Spiel doch noch zu gewinnen, aber auch durch die Leidenschaft der Spieler, die man in vielen Gelegenheiten auf dem Platz sehen kann die Mannschaft auf einem besseren Weg, als sie letztes Jahr noch war. Ich persönlich leite deshalb aus diesem Sieg nach einem aufgeholten 2:0-Vorsprung tatsächlich eine positive Veränderung im Vergleich zu den Saisons zuvor ab – wobei ich auch denke, dass wir noch in den letzten 2 Saisons gegen 1860 München ein Tor kassiert hätten. Ob diese Saison wirklich gut wird sehen wir in 2 Wochen – wenn man sieht, ob unser Düsseldorf-Fluch (IN Düsseldorf gewannen wir zuletzt 1929) besiegt werden konnte, oder wir gegen Fortuna über die Gegner – oder über uns selbst – stolpern. Ansonsten bleibt mir nur noch eines zu sagen:

 

Und damit möchte ich mich für diese Woche von euch verabschieden – und hoffe, dass ich mit meinen Gedanken zum Spiel nicht ganz alleine dastehe 😉

Bis zum nächsten Beitrag (Zur Spielvorschau gegen Düsseldorf),

Danny 🙂

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