Einen guten Donnerstagabend wünsche ich euch, wenngleich natürlich der Anlass hier überhaupt nicht gut ist. Das Spiel am Samstag gegen Heidenheim war wie eine Art Best-Of-Collage der schlimmsten Fehler, die wir dieses Jahr anzubieten haben, verdient wie vermeintlich Einfach konnte der 1. FC Heidenheim unser Kleeblatt mit 2:0 (2:0) besiegen, und im Ergebnis ist die Verwunderung und das Unverständnis beim Fürther Anhang verständlicherweise Groß – Und doch gilt es gerade jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Das letzte Spiel: Spielvereinigung Fürth 0:2 1. FC Heidenheim


Wunderbare Aktion: Kleeblatt-Fans gegen Rechts SpVgg-Fuerth.com

Denn zum Beispiel eine der Hauptkritikpunkte an Stefan Ruthenbeck, die Aufstellung des Neulings Djokovic, des Innenverteidigers Rapp und des Außenverteidigers Niko Gießelmanns – also insgesamt die Aufstellung – war zum Beispiel ein Ergebnis der großen Anzahl an Verletzten Spielern beim Kleeblatt! Wie den Fürther Printmedien zu entnehmen ist, war das Mittelfeldtalent Kirsch – und damit die Alternative zu Djokovic – am Spieltag noch von den Auswirkungen einer schweren Erkältung geplagt, die einen Einsatz von 90 Minuten unmöglich machten. Lukas Gugganig, der viel gefordert wurde, war wohl ebenfalls nicht ganz Fit von der Länderspielreise von den Färöer Inseln und gegen Deutschland zurückgekehrt, zumindest deutete Stefan Ruthenbeck derartiges in der Pressekonferenz an – einzig Gießelmanns Einsatz ist fragwürdig gewesen, wobei man ihm zugutehalten muss, keine kapitalen Böcke geschossen zu haben (im Gegensatz zu Khaled Narey).

Die Aufstellung, die ihm vorgeworfen wurde, ist daher zumindest nicht vollends auf des Trainers Schultern gelegen, sondern war durch diverse Faktoren mehr oder minder unvermeidlich. Doch das ist ja nicht der einzige Kritikpunkt – unter anderem auch die Taktik wurde ihm mehr als einmal vorgeworfen. Doch richten wir hier mal vor allem einen Blick auf die Gegentore: Nicht etwa aufgrund taktischer Fehler des Trainers kassierte das Team die Gegentore – ich bin sogar versucht zu sagen, im Gegenteil: Aus Interviews nach dem Spiel wurde ersichtlich, dass Ruthenbeck eindringlich seine Spieler vor der Kontergefahr gewarnt – warum ein Zlatko Tripic trotz gegenteiliger Anweisungen dennoch die Ecke kurz ausgeführt hat, ist nicht zweifelsfrei feststellbar. Dass der Trainer die Spieler nicht erreicht, wie schon großflächig bekannt gegeben wurde, will ich jedoch nicht hineininterpretieren. Wahrscheinlich dachte der Spieler einfach, er hätte eine gute Idee – die dann gar nicht so gut war, das kommt in jedem Team vor. Auch beim 2:0 waren es individuelle Fehler (Freis, Caligiuri, Rapp), die zum Tor geführt haben, anstatt fehlender taktischer Aufmerksamkeit. Was danach im Spiel folgte, war eine schwache Vorstellung einer verunsicherten Mannschaft. Ich möchte ehrlich gesagt nach fast einer Woche gar nicht allzu sehr darauf eingehen, sondern mich ein wenig der Allgemeinheit widmen:

Ruthenbeck: Ja oder Nein?


Noch ists zu früh für seine Entlassung: Stefan Ruthenbeck. Quelle: t-online.de

Denn das bewegt eigentlich alle Fans der Spielvereinigung gerade, egal ob sie pro oder contra Ruthenbeck sind: Ist der Trainer noch zu halten? Sollte er bleiben? Ich gehe mal vorweg, und sage: Ja. Derzeit ist es nicht sinnig, Stefan Ruthenbeck bereits zu entlassen. Aber wie ich das hier so zu tun pflege, begründe ich das mal:

Zuerst wäre es meiner Meinung nach zu früh für eine Trainerentlassung! Wir haben nach 9 Spielen 11 Punkte, das ist ein akzeptabler Schnitt, wenn auch kein guter. Wir befinden uns zwar derzeit im Abwärtstrend, der jedoch eindeutig noch gestoppt werden kann! Es ist noch früh in der Saison, noch nicht einmal ein Drittel der Spielzeit ist absolviert worden – und Stefan Ruthenbeck hat am Anfang durchaus bewiesen, dass unter ihm auch guter Fußball möglich ist. Ja, es ist sehr schwach gewesen, was wir die letzten zwei Spiele mit ansehen mussten, doch derartige Schwächephasen erlebt ein jedes Team einmal, selbst der FC Bayern konnte zuletzt 3 Spiele lang nicht gewinnen. Stefan Ruthenbeck sollte man die Chance geben, zu beweisen, dass er uns auch aus dieser Lage heraus befreien kann – und vor allem sollte man ihn nicht feuern, wenn man gerade gegen 3 der besten Teams der Liga gespielt hat. Denn was gerne mal vergessen wird, bei all der Kritik an Ruthenbeck: Heidenheim steht derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz, und hat weiterhin die beste Abwehr der Liga! Man sollte nicht vergessen, dass Heidenheim bisher nur eine Niederlage hinnehmen musste – gegen Würzburg. Es ist also daher vermessen zu sagen, „sogar Heidenheim“ würde gegen uns gewinnen, ich gehe sogar so weit und sage, dass man an und für sich gegen Heidenheim und Stuttgart verlieren darf – wenngleich das natürlich keinesfalls das sehr schwache Auftreten des Teams in diesen beiden Spielen entschuldigt. Doch ein anderer Punkt wiegt finde ich viel schwerer:

Ein anderer Trainer könnte beim Kleeblatt nicht viel ändern! Denn meiner Meinung nach muss man der sportlichen Führung um Ramazan Yildirim – auch Ruthenbeck, keine Frage! – klar den Vorwurf machen dürfen, die defensive Qualität des Teams maßlos überschätzt zu haben. In nahezu jedem Spiel gibt es drastische Fehler unserer Verteidigung, die ebenfalls nahezu jedes Spiel ein Gegentor nach sich ziehen. Gegen Düsseldorf und Sandhausen, gegen Stuttgart und Heidenheim, gegen Aue, gegen die Kickers – die Liste an Toren, die von Fehler(ketten) ausgelöst wurden ist wahrlich lang. Unserer Abwehr fehlt es an Stabilität, und vor allem auch an Leaderqualitäten! Caligiuri, Gießelmann, Hofmann – es gibt genug erfahrene Spieler in der Verteidigung des Kleeblatts, doch anstatt dass einer von ihnen Voran geht, wirken sie teilweise am meisten Verunsichert. Dieses Problem muss ausgebessert werden – aber das kann kein Trainer tun. Ein jeder Trainer stünde beim Kleeblatt vor dem Problem, dass die Hintermannschaft kaum zu Sicherheit findet, und selbst wenn man wollte, könnte man mit dieser Mannschaft keinen Defensivfußball spielen. Das sagte ich bereits, und das sieht man immer wieder: Die Mannschaft denkt Offensiv! Warum sollte man also einen neuen Trainer in eine Situation werfen, die er nicht anders lösen könnte als der aktuelle Trainer? Was soll ein Breitenreiter zB (viel geforderter Name) ändern? Weder die Verletztenrate, noch die Unsicherheit, und vor allem nicht die fehlenden Leadertypen könnte ein neuer Trainer sofort lösen. Einen derartigen Prozess meinte Ruthenbeck in der Sommervorbereitung gesehen zu haben – und gegen den TSV 1860 wirkte das teilweise in der Tat so – doch spätestens seit Hannover ist das Team wieder Rückfällig geworden. Meiner Meinung nach ist daher die Verpflichtung von mindestens einem weiteren, erfahreneren Defensivspezialisten notwendig, der das Team zur Not auch führen könnte – schließlich ist ein Gjasula, der das kann, verletzt und der letzte mit dieser Mentalität davor war Goran Sukalo, der jedoch (zurecht) den Verein verließ. Dies kann jedoch erst im Winter geschehen!

Und das schließt sich dann auch meiner vorherigen Meinung an, dass man Ruthenbeck noch Zeit geben sollte: Und zwar bis zum Winter. Bis dahin hat er genug Zeit zu beweisen, dass auch unter seiner Führung ein Fortschritt erkennbar sein kann, dass er dazu in der Lage ist, auch mit der bisherigen Mannschaft wieder bessere Ergebnisse einzufahren, einen Fortschritt zu erlangen, und letzten Endes auch dreckige Siege einzufahren. Selbst wenn all dies nicht der Fall sein sollte, dann bin ich der Meinung, dass wir im Winter mindestens im Mittelfeld stehen werden – denn auch das sollte beachtet werden: Nach dem Wochenende haben wir bereits gegen Hannover, Braunschweig, Stuttgart, Heidenheim, Würzburg und auch den wiedererstarkenden FCN gespielt, das heißt nun kommen die weniger Qualitativen Teams (was nicht heißt, dass es einfacher wird, nur werden Fehler nicht mehr sofort bestraft). Es muss dort gelingen, auch zu siegen, ansonsten – und so leid mir das für den sehr sympathischen Trainer tut – müsste Ruthenbeck gehen. Aber – wie gesagt – erst im Winter, denn dort ist genug Zeit für Ruthenbeck vergangen, sich zu beweisen, und andersrum noch genug Zeit für einen neuen Trainer, uns auf die Erfolgsspur zu bringen. Und vor allem: Genug Zeit, mit dem Team vor Pflichtspielen zu arbeiten, dank der Winterpause.

Das nächste Spiel: Braunschweig – Spielvereinigung Fürth


Zuletzt in Braunschweig. Quelle: SpVgg-Fuerth.com

Und auch dort dürfen wir wieder davon ausgehen, dass die Taktik von Stefan Ruthenbeck das 4-2-3-1 sein wird. Aus diesem Grund habe ich auch bisher auf die Taktik-Diskussion verzichtet, damit beschäftige ich mich hier kurz: Ich halte das 4-2-3-1 an und für sich tatsächlich für eine sehr geeignete Formation für den Fußball, den unser Team eigentlich spielen soll: Durch die Doppelsechs bietet sich einerseits die Möglichkeit für defensive Stabilität, und andererseits können Spieler wie Gjasula von dieser Position aus nahezu perfekt das Spiel organisieren und lenken. Mit den vier Offensivspielern – darunter sehr schnelle Außen wie Berisha, Sararer, Bolly wenn er fit ist – um den Offensivregisseur Zulj böte sich mit diesem System ein äußerst hohes Maß an Flexibilität für die Offensive, gepaart mit defensiver Stabilität. Böte – denn dank der Verletzungsserie und der enttäuschenden Leistung unserer Spieler (in eigentlich allen Teilen) entfaltet sich weder eine defensive Stabilität, und seit dem Ausfall von Gjasula nicht einmal offensive Qualität.

Und dennoch, gegen Braunschweig halte ich das System für eine bessere alternative als das vielgeforderte 4-4-2 (abgesehen davon, dass Ruthenbeck gegen den Ball bereits aktuell oftmals im 4-4-2 spielen lässt), denn ich vertrete auch gegen Braunschweig das Motto, dass ich gegen Heidenheim ausgerufen wurde: Flucht nach vorne! Denn, und da zitiere ich mal aus meinem letzten Blog: „Dieses Team ist klar ersichtlich in dieser Form nicht darauf ausgerichtet, defensiv den Riegel zu schließen. (…) Dass eine Doppelsechs aus Hofmann und Rapp für kaum Sicherheit sorgen, wurde auch schon zur Genüge bewiesen – wieso also nicht offensiv denken?“ Und das gilt so auch für dieses Spiel noch: Selbst mit Djokovic für Rapp bezweifle ich, dass unsere Mannschaft „den Bus parken“ kann, von daher ist auch gegen die starken Braunschweiger die einzige, mir vorstellbare Möglichkeit, zu Punkten zu kommen: Von Beginn an die eigene Abwehr durch offensive Aktionen entlasten, und wenn, ja wenn uns ausnahmsweise das Glück hold sein sollte, dann landen wir dieses Mal einen frühen Treffer, der unserem Team zu ein wenig Sicherheit verhelfen könnte. Ich möchte mich dieses mal ein wenig kürzer Fassen, da ich schon ein paar Worte zur Trainersituation verloren habe, aber nur so viel sei gesagt: Ich wünsche mir Sercan Sararer, so er fit ist, in der Startelf. Denn gegen Heidenheim war er der einzige, der Offensiv für einige Impulse gesorgt hat, wenngleich ihm wie allen das Glück fehlte – und daneben sollte nun wirklich die Zeit kommen, dass Nicolai Rapp seinen Platz auf der Bank findet, nun wo Franke wieder anwesend ist. Und dennoch rechne ich ganz ehrlich gesagt damit, dass wir gegen den souveränen Spitzenreiter nicht mit einem Sieg ins Frankenland zurückkehren werden. Nichtsdestotrotz ist es jetzt fraglos die Aufgabe von Team und Trainer, mit Leistung und Willen eine bessere Vorstellung auf das Feld zu legen, als in den letzten Spielen. Denn nur dann, wenn dies passt, haben wir einerseits eine Chance auf Punktgewinn – und andererseits kann die Mannschaft den Fans durch Kampf und Willen auch zeigen, dass es sich weiterhin lohnt, ihr das Vertrauen zu schenken – wollen wir’s hoffen, dass dies sogar durch einen überraschenden Sieg geschieht.

Bis dahin –

Danny

Gegnerstatistiken:

Bilanz: 10 Siege, 4 Unentschieden, 6 Niederlagen; Torverhältnis: 39:24

Letztes Pflichtspiel: 11.03.2016, Spielvereinigung 3:0 Braunschweig (2. Bundesliga)

Aktuelle Form: Kleeblatt: NSUNN; Braunschweig: SNSUS

Meine Wunschaufstellung: Megyeri, Narey, Caligiuri, Franke, Gießelmann – Djokovic, Hofmann – Sararer, Zulj, Berisha, Dursun

Mein Tipp: Braunschweig 2:1 Kleeblatt

PS: Die Beiträge können ab sofort leider nicht mehr oft am Mittwoch erscheinen – dort ist nach Semesterstart mein vollster Tag an der Uni.

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