Guten Abend, Kleeblattfreunde! Tja, heute ist es wirklich schwierig, die richtigen Worte zu finden nach dieser Niederlage in Braunschweig. Denn egal wie man es dreht und wendet, was man hervorhebt und was nicht, wir sind ohne Punkte aus der niedersächsischen Spitzenreiterstadt zurückgekehrt und haben nunmehr aus 4 Spielen kein Tor erzielt sowie einen Punkt geholt. Ja, dieser Tatsache muss selbst der Optimist an den Tasten dieses Blogs in die Augen blicken – und dennoch kann das Optimistentum weiter ausgelebt werden, und das will ich euch natürlich begründen.

Das letzte Spiel: Eintracht Braunschweig 1:0 Spielvereinigung Fürth


Kleeblattfans in Braunschweig – Enttäuschung, aber auch Stolz SpVgg-Fuerth.com

Doch bevor es optimistisch wird, fangen wir mal mit ein paar nackten Tatsachen an: Stefan Ruthenbeck hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht mit meiner taktischen Aufstellung, und gegen Braunschweig so überraschend wie positiverweise auf 4-1-4-1, also des 4-2-3-1 offensive Schwester, umgestellt. Für Djokovic nahm Kirsch die dritte zentrale Position im Mittelfeld war, und interpretierte diese vor dem alleinigen Sechser, der wie üblich von Andreas Hofmann verkörpert wurde. Auf den Außen wurde das große Karussell angeworfen, und mit Sercan Sararer, Veton Berisha und Khaled Narey gesellten sich gleich 3 Spieler auf den drei Offensivposition, die bei der Heimniederlage gegen Heidenheim nicht in der Startelf standen (Berisha, Sararer) oder auf einer anderen Position (Narey, Rechtsverteidiger) auf dem Feld waren. Die Marschrute war also klar: Mit viel Tempo auf nach vorne, um so Entlastung zu schaffen und wenn möglich auch die Gegnerabwehr unter Druck zu setzen!

Dieser Plan, in seiner Gesamtheit, ging ca. 25 Minuten lang auf. In den ersten 5 Minuten des Spiels kamen unsere Gegner aus Braunschweig mit derart viel Feuer aus der Kabine, dass man Angst haben musste, es würde wie gegen Stuttgart dramatisch enden – doch Kumbela und Nyman vergaben riesige Torchancen – zu unserem Glück – und damit war diese Offensive erstmal zu Ende, denn jetzt kam eine Phase, in der ich tatsächlich das Kleeblatt als besseres Team sah: Hinten standen wir nahezu immer sicher und sattelfest, die gelb gekleideten Löwen kamen gegen die gut stehende Verteidigung zu keinen zwingenden Ideen und mussten so mehrfach mitansehen, wie mutige Fürther sich ihren Weg nach vorn kombiniert haben. In dieser Phase wurden wir nahezu minütlich etwas stärker, und kamen nach 20 Minuten unsererseits zur besten Chance, als Berisha aus spitzem Winkel relativ frei vor dem Tor an Fejzic vergab – bereits nach einem Narey-Schuss unsere zweite Chance. In den folgenden zehn Minuten waren wir tatsächlich weiter den Tick besser als die Gegner, ohne große Chancen zu erarbeiten – bis zur 29. Minute. Über die Szene von Sararer ist denke ich alles gesagt, ich will dazu auch gar nichts sagen – aber es war allemal ein Wendepunkt im Spiel.


Moment des Scheiterns? Sararer tritt die Fahne um. Bildqulle: Nordbayern.de, Sportfoto Zink/WoZi

Denn in der Folge übernahm Braunschweig gegen nunmehr unterzählige Fürther das Ruder – und biss sich dennoch lange an der konsequenten Abwehrleistung die Zähne aus. Ein Kopfball von Kumbela war in dieser Phase die einzige Gelegenheit der Löwen, die allerdings in der zweiten Halbzeit komplett aufdrehten. Sie wussten die zahlenmäßige Überlegenheit zu nutzen – und belagerten das Klebeblatt lange, welches dennoch mit Courage dagegenstand, und dennoch in der 60. Minute den Gegentreffer hinnehmen musste, als Gießelmann das Abseits aufhob und Hernandez danach etwas zu einfach durch die Abwehr gehen konnte. Nachdem wir in den folgenden 5 Minuten mit sicherlich Glück die Drangphase inklusive Elfmeter und Glanzparade Megyeri überstanden haben, kam die wirkliche Offensive samt entsprechender Wechsel erst spät im Spiel – sicherlich auch Folge des Platzverweises. Gerade Freis und Steininger brachten neuen Wind ins Spiel, aber dennoch sprang nach einer leider etwas spärlichen Schlussoffensive kein Tor mehr für unsere Mannschaft heraus – doch wie ist diese Niederlage nun einzuordnen?

Ich bin bewusst vor allem auf die Minuten vor Sararers Platzverweis eingegangen, denn auf diese Phase müssen wir nun aufbauen. Gerade in diesen Minuten zeigten wir eine für unsere Verhältnisse defensive Stabilität – immerhin gegen den Spitzenreiter, der daheim noch keine Punkte abgeben musste – und ließen zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit auch zwischen der 5. und 45. Minute kaum Torchancen zu. Und trotz dieser Stabilität konnten wir uns mehrfach und gut befreien, und gegen eine überzählige Eintracht zu Torchancen gelangen! Letzten Endes waren es nur drei gute Chancen im Spiel, von denen zwei in diese Phase fallen – deutliches Zeichen, was möglich gewesen wäre, ohne Sararers Dummheit. Aber hier schließt sich mein Optimismus an: Gegen Braunschweig zeigte das Team Tugenden, die von allen Seiten gefordert wurden, und schmerzlich vermisst wurden: Aufbäumen, Leidenschaft, Kampf, Willen. Jedem Spieler samt Trainer sah man am Sonntag an, dass er das Spiel gegen die Löwen unbedingt gewinnen wollte, und jeder Spieler gab alles um diesen Willen umzusetzen. Natürlich ist das Ergebnis für unsere derzeitige Krise (ja, nach 1 Punkt aus 4 Spielen kann man das nach 10 Spielen so sagen) – doch gleich morgen kommt ja ein Gegner, der für derartige Spiele nur so prädestiniert ist!

Das nächste Spiel: Spielvereinigung Fürth vs. 1. FSV Mainz 05


Historische Nacht: Kleeblatt in Mainz, erster BL-Sieg SpVgg-Fuerth.com

Und das liegt nicht mal unbedingt am Gegner des Kleeblatts morgen, sondern simpel in der Natur der Begegnung – denn es ist Pokalzeit! Nach einem ungefährdeten Sieg gegen die Eintracht aus Norderstedt steht nun zum ersten Mal seit vier Jahren wieder ein Duell gegen einen Erstligisten im Pokal an – und wer erinnert sich nicht gerne an die letzten Duelle (mal abgesehen von den letzten 10 Sekunden gegen Dortmund)? Nacheinander stachen wir dort, vor vier Jahren, die Erstligisten Nürnberg (ja, damals waren die noch Erstligist) und Hoffenheim aus, bevor es ins historische Halbfinale gegen den späteren Meister und Pokalsiege ging, das ebenfalls denkbar knapp nur verloren wurde. Aber, um nochmal die Analogie zum Spiel gegen Braunschweig herzustellen, wie wurde dort gewonnen? Durch Willen! Durch Willen und Kampf, durch eine Leidenschaft die die jeweiligen Gegner nicht auf das Feld bringen konnten, wenn man zum Beispiel an den lethargischen Auftritt von Hoffenheim denkt, oder auch an das Spiel in Nürnberg wo der Platzsturm der Clubfans die energischsten Aktionen von Nürnbergern waren. Und morgen gilt es, diese Tugenden zu wiederholen! Ich rede hier gerne und viel von spielerischen Lösungen, aber morgen erwarte ich wie auch so viele andere Fans einen wahren Pokalfight, in dem die kleinere Mannschaft – also wir – den „großen“ Mainzern und vor allem den eigenen Fans beweisen kann, dass mehr in ihr steckt als sie es jüngst gezeigt hat – und wann, wenn nicht nun, kann man das schaffen?

Sind wir mal ehrlich, es gibt morgen wenig zu verlieren. Selbst wenn wir verlieren, dann ist das für einen derzeit schwachen Zweitligisten gegen einen Europapokalteilnehmer mehr als akzeptabel. Die einzige Möglichkeit, drastisch an Ansehen zu verlieren, wäre eine mehr als deutliche Niederlage in Höhen von 4:0 oder darüber, doch damit rechne ich ehrlich gesagt nicht. Denn Mainz wirkt derzeit durchaus wie ein Team, dass die Auswirkungen von englischen Wochen und Europapokal schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen: in den letzten Wochen musste der FSV nach Qäbälä reisen, nach Wolfsburg, daheim gegen Anderlecht spielen und reist nun nach einer 0:3-Niederlage auf Schalke am Mittwochfrühabend nach Fürth, um Pokal zu spielen – sicherlich nicht die leichteste Aufgabe. Und dazu kommt, dass Mainz zuletzt immer wieder gewisse Schwächen gezeigt hatte: Daheim gegen Hoffenheim ein 4:1 (zur Halbzeit!) zu einem 4:1 aus der Hand gegeben, im Pokal in Haching innerhalb von 3 Minuten in der Nachspielzeit ein 3:1 aus der Hand gegeben, gegen Leverkusen zwei Mal die Führung aus der Hand gegeben und verloren, gegen Anderlecht und St. Etienne die Spielkontrolle verloren und Unentschieden gespielt – wenn Mainz mal vorne lag, dann wurde oft genug dieser Vorsprung mindestens egalisiert. Und gerade mit fortschreitender Spieldauer haben die 05er große Schwächen offenbart, die wir ausnutzen müssen!


Nicht ganz so historisch: Kleeblatt verliert 0:3 gegen Mainz – Schicksalspiel. SpVgg-Fuerth.com

Deshalb hoffe ich auf ein ähnliches Spiel unserer 11 wie gegen Braunschweig, mit Ausnahme der ersten 5 Minuten: Hinten sicher stehen, und erstmal den Fokus auf diese Stabilität setzen. Und dann mit schnellen Spielzügen den Weg nach vorne suchen! Die Spieler dazu haben wir – in Sararer, der trotz seiner Dummheit nicht außen vorgelassen werden sollte, Berisha, Narey, Freis, Tripic kommen hierfür in Frage. Und auch im Mittelfeld ist eine Fortführung des 4-1-4-1 sinnvoll, wobei ebenfalls eine Rückkehr ins 4-2-3-1 möglich ist. Die Unterscheidung hier wird wohl darin liegen, ob Ruthenbeck zwischen dem offensiven Kirsch und dem defensiveren Djokovic entscheidet (oder zu unser aller Graus auch Rapp), für beide Möglichkeiten gibt es genügend Argumente (offensive Nadelstiche setzen vs. defensive Kontrolle), und dadurch entscheidet sich wohl auch der Spielstil. Wie dem auch sei – ich bin ehrlich gesagt zuversichtlich! Wenn wir es wirklich schaffen, wieder mit Leidenschaft, Willen, Kampf und vielleicht ein wenig mehr Konzentrationen in jeder Spielsekunde zu agieren, dann sind wir alles andere als Chancenlos gegen die Mainzer. Wir müssen nur auch hier wieder darauf schauen, auch offensiv zu Aktionen zu kommen – wie wir gegen den BTSV sahen, das verwirrt den Gegner und bringt uns selbst einen Vorteil. Und immerhin, gegen wen wenn nicht Mainz soll die Sensation gelingen? Ich finde den FSV ja sehr sympathisch, allein wegen dem Narrhallamarsch zu Toren – doch für uns ist er vor allem ein Lieblingsgegner! Gerade daheim haben wir 11 Spiele gewonnen und nur 2 verloren – zuletzt in der Bundesliga mit 0:3, davor 2009 mit 0:2. Und darüber hinaus ist der FSV Teil unserer Vereinsgeschichte: Gegen den 1. FSV Mainz 05 gelang uns immerhin 2012 der erste Sieg und das erste Tor in der Bundesligageschichte! Und auch in Mainz sieht man unsere SpVgg noch immer als eine Art Angstgegner, es ist also alles angerichtet für eine Pokalüberraschung zu unseren Gunsten!

Und damit beende ich mal diesen Eintrag – auf zum Sieg gegen die Mainzer und unsere alte Bekannte (Daniel Brosinski und Rouven Schröder), und über einen Sieg gegen Mainz dann auch auf zum Sieg gegen Lautern! Nach 4 Jahren ist endlich mal wieder Zeit für einen Pokalheimsieg!

Gegnerstatistiken

Bilanz: 20 Siege, 2 Unentschieden, 7 Niederlagen. Torverhältnis: 69:35

Letztes Pflichtspiel: 26.01.2013, SpVgg Fürth 0:3 FSV Mainz 05 (Bundesliga)

Aktuelle Form (auch wenn’s wehtut): Kleeblatt: SUNNN, Mainz: SUSUN

Meine Wunschaufstellung: Megyeri, Narey, Caligiuri, Franke, Heidinger – Hofmann – Sararer, Zulj, Kirsch, Freis – Berisha

Mein Tipp: Kleeblatt 2:1 (n.V.) Mainz 05

Danny

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