Einen wunderschönen Nachmittag, Kleeblattfans! Und auch wenn das Wetter derzeit eher grau in grau ist, die Kälte klirrt und die derzeitigen Nachrichten um das Kleeblatt zumindest mal keine Euphorie auslösen werden, ist es dennoch endlich wieder so weit: Die Rückrunde geht auch für die 2. Liga endlich los! Und mit ihr gibt es auch – endlich – einen neuen Eintrag in diesem Blog hier. Doch, der wird dieses Mal anders ausfallen als gewohnt – statt der Beleuchtung des letzten Spiels in Berlin – von dem ich aufgrund der deutschen Bahn keine Sekunde sehen konnte – folgt heute zuerst einmal die Beleuchtung der Wintertransfers. Für gewöhnlich wäre das nun ein Text von hier bis Nürnberg, nur dieses Jahr nicht.

Die neuen, und wer weg ist: Das Transferfenster bisher

Denn, wie wir wohl alle mitbekommen haben, ist das Transferfenster bisher ausgesprochen ruhig geblieben. Nicht nur bei unserem Kleeblatt, allgemein gestaltet sich die Situation in der zweiten Liga bisher verdächtig ruhig – außer bei unserem Gegner vom Freitag, aber von den Sechzgern kennt man das nicht anders. Trotzdem ist es gerade das Kleeblatt, für das die aktuelle Ruhe auf fast allen Positionen doch eine ungewohnte Situation ist: Wenn man sich nur mal ans letzte Jahr erinnert, in dem es in den ersten Tagen des Januars zu mehreren gravierenden Entscheidungen kam – Schröck, Mutzel, Yildirim, nur um ein paar Beispiele zu nennen – ist es doch im Jahr 2017 bisher fast ein himmlischer Frieden, könnte man meinen. Könnte man meinen. Allerdings ist es genau diese Ruhe, die einige – um nicht zu sagen die meisten – Fans bisher mehr beunruhigt denn beruhigt. Und wer mag es den Fans verdenken, war es doch um die spielerische Qualität unserer Fürther immer mauer geworden, je später es in der Hinrunde 2016 geworden ist – auch kurzzeitige Positiverlebnisse gegen Bielefeld und in Karlsruhe konnten zwar den Autoren des Blogs und einige etwas darüber hinwegtäuschen, nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli spätestens jedoch waren alle wieder geerdet: So konnte es nicht weitergehen.

Doch, und das ist nun mehr oder minder Gewissheit, der große Umbruch beim Kleeblatt findet nicht statt. Noch nicht. Diverse Aussagen der Offiziellen deuten sehr wohl darauf hin, dass nach dieser Saison – so sie denn erwartungsgemäß problemlos verläuft – mit insgesamt 11 auslaufenden Verträgen eine größere Zäsur stattfinden wird – und der Winter daher einigermaßen ruhig bleiben wird. Doch trotzdem hat sich ein wenig getan, und das will ich natürlich beleuchten:

Die Neuen

Gut. Die Neuen ist ein wenig euphemistisch, ist es doch vor allem ein wirklich neuer: Stephen Sama (23) ist vom schwäbischen Aufstiegsaspiranten VfB Stuttgart doch vergleichsweise früh im Januar an den Ronhof gewechselt, für ca. 100.000€ Ablösesumme. Seine Position ist – und das ist beruhigend – die Problemzone Abwehrzentrale, 95 Spiele hat er in seiner Karriere bisher auf dieser Position gemacht. Gut, diese vor allem in den Reserveteams von größeren Mannschaften, wie zum Beispiel in der Reserve League/Premier League 2 in England, als er beim Liverpool FC unter Vertrag stand. Aber auch in unserer dritten Liga als Spieler der Stuttgarter U23 spielte er schon, dennoch sind 95 Spiele eine nicht zu verachtende Erfahrung. In dieser Saison war Sama vor allem von Luhukay in der zweiten Liga eingesetzt, unter dem neuen Trainer Hannes Wolf kam er dagegen zu keinem Einsatz – wohl einer der Gründe für ihn, den VfB zu verlassen. Ob Sama dem Kleeblatt sofort weiterhelfen kann ist zwar stark zu hoffen, jedoch noch nicht sicher – seine Zweikampfstärke jedoch sollte dem defensiven Spiel des Kleeblatts ein wenig mehr Stabilität verleihen können, wenn wir einmal unter gegnerischen Druck geraten.


Neu in Fürth: Stephen Sama Ligainsider.de

Neben Sama gibt es im Kader der 1. Mannschaft zwar noch einige weitere neue Gesichter im Kader des Kleeblatts, die jedoch sind keine unbekannten: Stefan Maderer (20) kommt wieder von seiner Leihe an den FSV Frankfurt, die aufgrund mehrerer Verletzungen alles andere als glücklich verlaufen ist. Ob er für das Kleeblatt eine Option wird im Frühjahr wird sich zeigen, vorerst spielt er in der U23. Patrick Sontheimer (18) ist ebenfalls ins Visier von Janos Radoki gerückt, der ihn noch aus seiner Jugendzeit kennt. War schon beim Hallenturnier in Neu-Ulm dabei, ebenso konnte er 90 Minuten gegen Ingolstadt und Bochum und 45 Minuten gegen Wehen spielen. Er wird wohl in der Rückrunde auf seiner Position, dem zentralen bis offensiven Mittelfeld, einige Minuten sammeln können. Zu seinem Lebenslauf gehören uA zwei U-Nationalspiele – und auch David Raum (18) ist deutscher U-Nationalspieler, und auch er stand gegen den FCI und den VFL 90 Minuten auf dem Platz, plus 45 Minuten gegen Wehen. Seine Position ist eher das linke Mittelfeld – und er gilt dort als eines der größten Talente des Kleeblatts, auf ihn kann man sich definitiv freuen in der Rückrunde. Darüber hinaus gibt es noch Christian Derflinger (22, ZM), Dominik Sollfrank (18, Abwehr) und Tobias Pellio (19, DM), die sich berechtigte Hoffnungen auf die ein oder andere Minute Einsatz freuen dürfen – ebenso wie folgende Spieler, diese jedoch nicht beim Kleeblatt:

Die Abgänge 

Die Abgänge beschränken sich vor allem auf diese zwei wichtigeren Figuren: Sebastian Heidinger verlässt das Kleeblatt nach circa genau einem Jahr wieder, und zwar eine Liga tiefer in Richtung Paderborn. Auch wenn er über dieses Jahr als professioneller und guter Spieler aufgefallen ist, wird sein Abgang das Kleeblatt weniger Schmerzen: Mit Khaled Narey und Dominik Schad stehen zwei Spieler bereit, einer der beiden ist ohnehin Stammspieler, während der andere ein weiteres sehr großes Talent aus unseren Reihen ist. So ist diese Trennung für wohl alle Parteien richtig – immerhin konnte der SC Paderborn Heidinger einen längerfristigen Vertrag anbieten, was für dessen 31 Jahre wohl ein sehr wichtiges Argument war. Auf der anderen Seite ist mit Damjan Djokovic nach nur knapp 3 Monaten eine andere Geschichte wohl zu ende. Der defensive Mittelfeldspieler wusste durchaus zu gefallen, war dennoch nicht von herausragender Qualität. Dass er das Kleeblatt für den italienischen Zweitligisten Spezia Calcio verlässt, ist zwar sehr überraschend und plötzlich – angesichts der doch sehr traumhaften Landschaft am Weltkulturerbe Cinque Terre und der Möglichkeit, mit seinem ex-Trainer zu spielen kann man ihm es wohl menschlich kaum verübeln. Sein Abgang soll wohl von einem von zwei Testspielern (Abdisalam Abdulkadir Ibrahim und Sergiy Politylo) kompensiert werden – zu diesen kann ich jedoch nichts sagen, außer dass beide große Erfahrung in den ersten Ligen von Norwegen bzw. der Ukraine verfügen. Außerdem sollen noch Stephan Schröck, Sebastian Mielitz, Ante Vukusic und – per Leihe Erhun Obanor das Kleeblatt verlassen. Zu diesen Personalien gibt es jedoch keine Neuigkeiten derzeit. Und dann wäre da noch George Davies, der für ein halbes Jahr zum Floridsdorfer AC nach Wien geliehen wird.

Das nächste Spiel: TSV 1860 München – Spielvereinigung Fürth 


Einst in München vor der Arena… SpVgg-Fuerth.com

Und damit sind wir auch schon bei dem angekommen, worauf sich wohl die meisten Fans dennoch freuen: Das Kleeblatt gastiert beim Münchner Chaos-Club TSV 1860, und will gegen die Giesinger 3 Punkte holen. Dass nicht mehr der spielerische Ruthenbeck, sondern der eher kämpferisch ausgerichtete Radoki das Heft des Handelns in der Hand hat, kann dabei ein waschechter Vorteil sein – der TSV 1860 ist bisher zumindest in keinem Spiel durch spielerische Klasse aufgefallen, aber dennoch gerade in Heimspielen ungewohnt gefährlich: 11 von 16 Punkten holten die Münchner daheim – für die sonst sehr lethargischen Auftritte in der leeren Arena zu Fröttmaning ist das durchaus ungewohnt. Und dennoch keine gute Statistik, nur 14. in der Heimtabelle ist man damit (gut, dafür 16. in der Auswärtstabelle) – und unser Kleeblatt hat mit einem 12. Platz in der Auswärtstabelle zumindest keine besondere Schwäche in der Ferne. Über die Spielweise des TSV, die ich hier normalerweise darzulegen versuche, lässt sich aus bekannten Gründen wenig sagen: Der TSV hat zwischen November und heute mächtig am Chaosrad gedreht, und einmal den kompletten Personalkreisel geworfen. Sportdirektor Eichin ging, der Trainer ging schon eher, es kamen der portugiesische Trainer Vitor Pereira und der Sportdirektor mit dem faszinierenden Namen „Anthony Power“ – und darüber hinaus gerade diese Woche, um nicht zu sagen heute, einige Transfers. Abdulaye Ba wird aus Porto geliehen, Christian Gytkjaer wird wohl heute vorgestellt, Lumor und Amilton sind ebenfalls in den Einflussbereich des TSV geraten. Und genau das könnte ein Vorteil sein: Wenn der TSV in dieser Woche erst seine Neuzugänge präsentiert können die nicht über die Eingespieltheit mit einem neuen Trainer verfügen, die unsere Mannschaft mit Janos Radoki hat – selbst wenn auch der vergleichsweise neu ist, hat er mit seinem Kader die Vorbereitung absolvieren können. Und hier könnte sich dazu noch der Vorteil der eher kämpferischen Klasse von Radoki zeigen – gegen Kellerkinder wie den TSV ist diese Tugend wohl die wichtigste. Darüber hinaus gibt es all diese chaotischen Nebenerscheinungen des TSV 1860 bei uns nicht – doch was das Wert ist, zeigt sich am Freitag.

Über unsere Herangehensweise in diesem Spiel dagegen lässt sich einiges erahnen: Wie mehrere Spieler des Kleeblatts bestätigt haben, hat Radoki noch mehr als Ruthenbeck die körperliche Fitness in den Fokus gestellt – ein Faktor, der die viel angemahnten Leistungsabfälle nach 50-70 Minuten beheben könnte? Jedenfalls ist es nicht schwer, von dieser Maßnahme – wie auch einigen Aussagen von ihm – darauf zu deuten, dass die von Ruthenbeck gepflegte spielerische Qualität in der Offensive nicht mehr das Hauptelement des Kleeblatts sein wird. Von allen Spielern erwartet der Trainer eine konzentrierte und nachhaltige Defensivarbeit – inklusive den Stürmern. Und, was will man sagen, wenn man sich die Spiele der Hinrunde durch den Kopf gehen lässt – damit hat Radoki das größte Problem erkannt und geht es an. Denn noch immer spricht es Bände, dass in der gesamten Hinrunde nur das Spiel gegen den TSV 1860 am ersten Spieltag zu Null ausging, ansonsten immer mindestens ein Gegentor gefallen ist. Auch wenn das Toreschießen ebenfalls nicht unsere Paradedisziplin ist, so ist die geordnete Defensive erstmal dennoch wichtiger.


Und im August gegen den TSV! SpVgg-Fuerth.com

Ich bin ehrlich gespannt, ob Radoki das Experiment der Dreierkette wiederholt, oder doch zur Viererkette zurückkehrt – Vorstellbar sind alle Szenarien. Unter anderem, dass wir in der Abwehr neben Franke nicht mehr Caligiuri, sondern Gugganig oder Sama sehen werden, da Marco Caligiuri nach zwei Jahren in die Position des defensiven Mittelfeldes gezogen wird, wie schon mehrfach angedeutet wurde. Zumindest kurzfristig könnte das den Ausfall von Djokovic – samt der Verletzungspause von Gjasula – kompensieren, gemeinsam mit Kirsch/Zulj und Hofmann den Kapitän dort zu setzen. Auf den Außenpositionen gestaltet sich die Sache etwas verzwickter: Zlatko Tripic und Veton Berisha fallen definitiv aus, Sercan Sararer ist angeschlagen. Das könnte – bzw. sollte – bedeuten, dass Khaled Narey mal wieder auf der offensiven Außenbahn eingesetzt wird, neben Mathis Bolly oder Sebastian Freis. Für die Defensive bedeutet das, dass Niko Gießelmann Links verteidigen wird, und Rechts vielleicht sogar Dominik Schad, oder aber Narey bleibt doch hinten und Freis/Bolly stürmen als Flügelzange – und dann bliebe da noch die ewige Frage, ob Robert Zulj in den Planungen von Radoki für die Aufstellung am Freitag eine Rolle spielen wird oder nicht.

Lediglich auf den Positionen von Torwart Megyeri, Andreas Hofmann im defensiven Mittelfeld, Niko Gießelmann auf Links und Marcel Franke in der Innenverteidigung sehe ich Sicherheit, dass sie aufgestellt werden – aber wer weiß, vielleicht wird gerade hier eine Überraschung stattfinden. Auch die Umstellung auf 4-4-2, die erneut gefordert wurde, ist wohl unwahrscheinlich. Denn trotz Trainerwechsel ist eine Waffe des Kleeblatts weiterhin die unglaubliche Geschwindigkeit, die Sararer, Bolly, Steininger und auch Freis an den Tag legen können – und das müssen wir auch gegen den TSV 1860 ausspielen! Wenn das gelingt, aber viel mehr wenn die defensive Stabilität durch Radoki ermöglicht wird, dann sehe ich nicht nur drei Punkte bei den unberechenbaren Löwen in München im Rahmen des Möglichen, sondern auch eine sorgenfreie Rückrunde. Nur, Garantie dafür gibt es keine – und es ist auch gut möglich, dass wir wie vor zwei Jahren in den Abstiegsstrudel geraten. Gerade deswegen ist es wichtig, schon am Freitag die Weichen zu setzen – am besten mit einem Auswärtssieg!

Auch wichtig: Der Schiedsrichter gegen die Löwen

Wie dem auch sei, ich freue mich auf das Spiel am Freitag – und hoffe darauf, dass das Kleeblatt, in welcher Formation auch immer, die Nerven von mir und vielen anderen Fans mit einem Sieg beruhigen wird. Und, wenn Yildirim und Hack wie angekündigt noch einen Stürmer für Vukusic verpflichten, wäre ich auch beruhigt. Aber das wird sich alles in der nächsten Woche zeigen, bis dahin wünsche ich allen – hoffentlich zahlreichen – Auswärtsfahrern eine gute Reise nach München, und dem Rest ein schönes Wochenende – natürlich mit 3 Punkten im Gepäck!

Euer Danny

Matchstatistik gegen den TSV

Bilanz: 121 Spiele, 51 Siege, 24 Remis, 45 Niederlagen – und ein abgebrochenes Spiel. Torverhältnis: 196:164.

Letztes Pflichtspiel: 07.08.2016: SpVgg Fürth 1:0 TSV 1860 München (2. Bundesliga)

Form: SpVgg: NSSNU; 1860 München: UNSNU

Meine Wunschaufstellung: Megyeri – Gießelmann, Franke, Caligiuri, Schad – Hofmann, Kirsch, Sararer – Bolly, Dursun, Narey

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