Einen guten Abend wünsche ich euch! Nachdem ich in der letzten Woche Klausurbedingt nichts schreiben konnte, ist es nun auch schon fast eine Woche her, seit das Kleeblatt in Aue ein zugegeben sehr trostloses 0:0 abgeliefert hat – doch, wenn man ein wenig ins Denken kommt, kann selbst dieses 0:0 als kleiner Teilerfolg gesehen werden. Natürlich nicht als zufriedenstellendes, und für Düsseldorf wieder zu erreichendes Ergebnis – aber es gab einige Sachen am Spiel, die mich als Fan haben ein wenig optimistischer in die restliche Saison sehen lassen. Was das ist, das will ich natürlich wieder mit euch teilen:

Das letzte Spiel: FC Erzgebirge Aue 0:0 SpVgg Fürth


Kleeblattfans in Aue! SpVgg-Fuerth.com

Okay, ich gebe zu: Natürlich war im Spiel auch für mich mehr Frustration als Freude dabei. Lässt man das Spiel aber Revue passieren, kann man wohl von einem klassischen Spiel in Aue im Winter reden – ein Spiel, das keine Gastmannschaft bestreiten will, aber jeder muss mal. Über das ganze Spiel hinweg hat Aue mit defensiver Stabilität durch hohes Pressing versucht, die Offensive des Kleeblatts nicht in Geltung kommen zu lassen – und das auch mit Erfolg. Aber – wie immer – von Anfang an:

Mit Beginn des Spiels begann das, was man gemeinhin als Abtastphase bezeichnet: Beide Teams hatten Ballbesitzmomente und trauten sich jedoch noch nicht, damit große Risiken einzugehen. Ein Schuss von Aue nach 3 Minuten am Tor vorbei stand den Gastgebern zu Buche, und ganze 10 Minuten später hat Adam Pinter für die unseren Martin Männel geprüft – jedoch war unter diesen und ähnlichen Aktionen beidseitig kaum zwingendes dabei. Beide Mannschaften zeigen sich diese Phase – wobei, wenn ich ehrlich sein soll dauerte diese Abtastphase wohl geschlagene 90 Minuten am letzten Freitag – über sehr vorsichtig und vor allem mit viel Bedacht auf defensive Unversehrtheit. So ist es nicht verwunderlich, dass in der kompletten ersten Halbzeit über zwar immer wieder unsere Defensive die Angriffe der Auer stoppen konnte, aber andersrum unsere Angriffe ebenso wenig gefährlich waren. Aufgefallen ist jedoch, wie leicht Mario Kvesic einmal an Niko Gießelmann vorbeigehen konnte – zum Glück kam beim Kopfball wenig heraus, aber in diesen 1-gegen-1-Szenen muss Gießelmann definitiv zulegen.

Frustration während dem Spiel,

In der zweiten Halbzeit setzte sich genau dieses Bild fort: Beide Teams scheuen über lange, lange Zeit das Risiko und leben offenbar nach dem Huub-Stevens-Motto „Die 0 muss stehen!“. Erst am Ende des Spiels hat man gemerkt, dass der FC Erzgebirge Aue sich seiner prekären Lage in der Tabelle durchaus bewusst war, und hat sich ein klein wenig mehr geöffnet. Freilich, für ein Kellerkind hätten die Auer mehr ins Risiko gehen können, gar müssen – doch dass sie das nicht getan haben, darüber möchte ich mich hier an dieser Stelle gar nicht mal beschweren. Im Gegenteil, man kann sich durchaus auch bei Megyeri bedanken, der die einzige Großchance der Auer im gesamten Spiel parieren konnte, als plötzlich Nazarov 5 Meter vor dem Tor zu einem Abschluss gekommen ist.

Auf etwas Anderes möchte ich dafür durchaus detaillierter eingehen: Nach circa 40 Minuten des Spiels – einige werden diese Passage sicherlich schon vermisst haben – und kurz nach der Halbzeit gab es durchaus eine Unterbrechung des 90-minütigen Abtastens: Kurze Zeit lang wirkte es so, als wäre das Kleeblatt aufgewacht und die Offensive käme in Tritt. Ich erinnere mich an einen guten Schuss von Freis, der leider abgefälscht wurde kurz vor dem Halbzeitpfiff, einen Volley von Sontheimer und eine Situation, in der Freis einen Ball in guter Position nicht kontrollieren konnte. In diesen Minuten um den Halbzeitpfiff hätte man meinen können, das Kleeblatt übernimmt die Kontrolle in diesem Spiel und schaltet sich mehr in die Offensive ein. Und bis zu diesem Zeitpunkt ist es auch, wo ich sage: Ich bin zufrieden mit dem Auftritt. Denn bis dahin hat man defensiv nichts anbrennen lassen – und das ist immerhin das, was ich seit langer, langer Zeit forderte. Mit einem 0:0 nach 40 Minuten in Aue langsam den Vorwärtsgang einlegen – das wäre genau das, wie man einen Gegner wie Aue auswärts schlägt. Wobei – auch Aue meldete sich zaghaft vorne an, das darf man nicht unerwähnt lassen.

Doch, nach dieser kurzen Phase unsererseits, und das Lob muss sein, hat Aue die richtigen Mittel gewählt und das Mittelfeld verstärkt (Mittelfeldspieler Soukou für Stürmer Bunjaku) – und damit war unseren Offensivbemühungen auch für die restlichen 30 Minuten der Zahn gezogen. Nicht, dass diese davor allzu groß gewesen sind, aber in den restlichen Minuten ging de facto nichts mehr zusammen. Und hier muss ich dann doch ein wenig einhaken – einerseits frage ich mich (mal wieder), wieso Sebastian Freis 90 Minuten durchspielen durfte. Nicht, dass er zu viele Fehler begangen hätte – aber er war einfach komplett unauffällig – und außer einem Schuss brachte er vergleichsweise wenig zu Stande. Bolly für Freis und statt Sararer für einen weiteren Stürmer zu opfern, einem Benedikt Kirsch eine neue Chance zu geben. Der hätte – meiner bescheidenen Meinung nach – eine bessere Rolle gespielt, als Verbindungsglied zwischen Verteidigung und Angriff. Genau dieses hat unserem Spiel nämlich gefehlt, um auch nach der 60. Minute offensive Momente zu kreieren! Die Maßnahmen von Radoki sind dann am besten damit zu erklären, dass er gegen Aue lieber den Punkt mitnahm, statt die 3 Punkte mit aller Kraft zu forcieren (was bei unserer Lage aber durchaus legitim ist).

Geschichtsstunde danach!

Aber gut, wie gesagt: Nach einem halben Jahr wieder zu null gespielt (im Übrigen die längste Serie mit Spielen ohne „zu 0“ des Kleeblatts überhaupt, laut dem Kleeblatt-Geflüster in der FN), da will ich mich gar nicht mal zu sehr beschweren, wenn man gegen defensivstarke Auer „nur“ 0:0 spielt. Im Gegenteil, wie man mich kennt, ich suche und finde das positive daran: Wenngleich mich das Offensivspiel mehrfach aufgeregt hat, muss man doch im Resümee sagen, dass die Defensive gerade im Vergleich zu anderen Spielen gegen Kellerkinder diese Saison (Pauli, KSC, Aue im Frühjahr, Sechzig) doch ganz gut gestanden hat. Dieser – bereits anfangs angesprochene – Teilerfolg könnte der Mannschaft ein wenig defensives Selbstvertrauen zurückgegeben haben – und damit hätte das trostlose 0:0 einen wichtigen Nutzen! Ich möchte dabei allgemein anmerken, dass die Abwehr des Kleeblatts allgemein in den letzten Wochen enorm zugelegt hat, meinem Empfinden nach. (Fast) jeder Zweikampf wird mit mehr Leidenschaft und Willen und vor allem Konsequenz geführt, man ist stabiler nach Hinten und schafft es auch, weniger Gelegenheiten für die Gegnerzuzulassen. (Zur Erinnerung, gegen Heidenheim schoss Aue daheim noch zwei Tore, heute hatten sie keine guten Chancen für 2). Das alles sind Tugenden, die früher schmerzlich vermisst wurden, und schon am Samstag wieder wichtig werden – und dort darf dann auch wieder auf Sieg gespielt werden.

Das nächste Spiel: SpVgg – Fortuna Düsseldorf


Erlösung im Abstiegskampf 2015 gegen Fortuna! Bildquelle: SpVgg-Fuerth.com

Denn, das Spiel gegen die Fortuna ist gar nicht mal so unwichtig: Ein kurzer Blick auf die aktuelle Tabellensituation zeigt, dass man im Spiel gegen die Fortuna – aber auch in den nächsten 2 Wochen in Würzburg und danach unter Umständen gegen den FC Nürnberg – seine direkten Nachbarn in der Tabelle trifft. Fortuna Düsseldorf liegt einen Punkt vor uns, die Würzburger Kickers derzeit drei und der FCN vier – schafft man es, zumindest zwei der Spiele zu gewinnen, dürfte man ebenso zwei der Mannschaften eingeholt zu haben – und damit könnte nach 23 Spieltagen das Abstiegsgespenst erstmal aus dem Ronhof verbannt werden. Und, einfach gesagt, mit den Düsseldorfern kommt dafür die richtige Mannschaft in den Ronhof am Wochenende. Denn was wir mit dem Spiel ohne Gegentor geschafft haben, daran arbeitet die Fortuna noch: Das Beenden einer langen Serie. Seit immerhin 7 Spielen wartet Fortuna auf einen Sieg, und in diesen 7 Spielen hat man insgesamt 5 ohne eigenes Tor bestritten – und eine weitere Serie hofft aus unserer Sicht auf Fortsetzung: Die letzten 3 Saisons haben wir gegen die Fortuna aus Düsseldorf die Heimspiele jeweils klar und deutlich gewinnen können! 4:1, 3:0, 3:1 sind die letzten Heimergebnisse gegen die Fortuna – was damit genauso beständig wäre wie die Serie an grauenvollen Spielen in Düsseldorf. Und schaut man sich die Zweitligabilanz allgemein an, dann hat man noch nicht ein Heimspiel gegen die Düsseldorfer verloren (nur in der Bundesliga wurden wir mit 0:2 vom Platz geschickt.)

In den USA verfolgte man das Spiel eher mit Sarkasmus

Doch damit genug der Vergangenheit. Blicken wir uns das hier und jetzt an, dann spricht Trainer Janos Radoki ein Kernproblem unseres Spiels wie auch schon nach dem Pokalspiel direkt an, das ich bisher wissentlich ausließ: Der erste Kontakt dauert zu lange. Wenn ein Spieler in einer hoffnungsvollen Position angespielt wird, dann passiert es viel zu häufig, dass der Ball erstmal ein paar Meter verspringt und dann entweder direkt weg ist, oder diese Sekunden der Defensive Gelegenheit zur Stabilisation geben. Ein kurzer Blick auf unsere letzten Tore bestätigt das auch: Das 4:0 gegen Hannover, von Caligiuri zu Sontheimer, angenommen, gedreht, Pass auf Berisha, der ist durch, Tor. Das 3:0: Zulj spielt den Ball zu Narey, der nimmt ihn sofort mit und läuft durch bis er Flanken kann, Direktabnahme Dursun, Tor. Das 1:0 – Pass von Zulj, von Berisha auf Dursun verlängert, Brustannahme, Fallrückzieher, Tor! Das 2:0 in Karlsruhe: Balleroberung Sararer, Bolly sprintet und trifft. Das 1:0 beim KSC: Flanke Heidinger, Sararer direkt mit dem Kopf auf Narey, Angenommen, Schuss, Tor!
Es ist glasklar, wenn es schnell geht bei uns, kommen die Gegner so richtig in die Bredouille. Und genau deshalb ist es so ärgerlich, dass gerade Offensiv den meisten Spielern die Bälle reihenweise wegprellen – Freis, Berisha, Dursun, Bolly – selbst Zulj und Sararer passiert das oft genug. Das raubt uns wertvolle Zeit und wertvolle Geschwindigkeit auf dem Weg zum Tor, und dann muss der Angriff oftmals sogar ganz neu aufgebaut werden. Ich kann zwar leider nicht sagen, ob und wie sehr Radoki das trainieren lässt – doch, wenn sich das von nun an kontinuierlich bessert, stehen die Chancen auf einen Sieg in Düsseldorf (und danach) gar nicht mal so schlecht.
Apropos Düsseldorf – laut Janos Radoki sind für das Spiel am Samstag auch die (wie so oft) fragwürdigen Sararer und Berisha Matchfit, ebenso wie der zuletzt angeschlagene David Raum und auch Andreas Hofmann kehr zurück. Auch Robert Zulj kann nach abgesessener Gelbsperre wieder in der Mannschaft mitwirken, das heißt gerade offensiv kann Radoki die volle Stärke des Kaders ausleben (abgesehen von Ante Vukusic, der ab sofort in der U23 trainieren wird) – was gegen die Fortuna auch wichtig wird. Denn, obwohl Fortuna seit 7 Spielen auf einen Sieg wartet, zuletzt haben sie sich durchaus verbessert gezeigt. Gegen Lautern war die Möglichkeit eines Sieges mehrfach gegeben, sodass wir uns auf ein wohl offensiveres Spiel unserer Gegner einstellen müssen, als Aue das geboten hat. Gegen diesen dennoch angeschlagenen Gegner sollten wir daher früh uns um Spielkontrolle bemühen, sodass Fortuna den vielleicht gewonnenen Schwung aus dem ersten Tor seit über 500 Minuten nicht mitnehmen kann.

Systemtechnisch bietet sich dafür die Dreierkette an, die Radoki seit einigen Wochen schon bemüht: Mit Franke, Caligiuri und Gießelmann in der Defensive – man muss ihm ja lassen, dass er diese Rolle zufriedenstellend ausfüllt – und den Außenbahnspielern Van den Bergh (der mir doch deutlich besser Gefiel dort) und Narey, sowie Hofmann, Sontheimer und Zulj in der Mittelfeldzentrale würde sich die erfolgreiche Aufstellung aus dem Spiel von Hannover erneut anbieten. Im Sturmzentrum würde ich an Stelle von Radoki zum Zwecke der Ballsicherheit überlegen, statt Berisha Sararer an der Seite von Serdar Dursun aufzustellen – oder aber direkt mit Mathis Bolly und Sercan Sararer als offensiven Außenbahnspielern beginnen.


Einigkeit zwischen Fans und Team – damals wie heute wichtig! Bildquelle: SpVgg-Fuerth.com

Wie auch immer sich unser Coach entscheidet, ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg ist und bleibt die defensive Stabilität (müsste ich einen Euro für jedes Mal zahlen, dass ich diese erwähne, ich wäre bald verarmt) – aber gerade hier sehe ich, wie erwähnt, unser Team klar und deutlich verbessert im Vergleich zu vergangenen Monaten. Daher male ich mir mal einen etwas Optimistischen 2:0-Sieg unseres Kleeblattes aus, und wünsche euch allen eine angenehme Restwoche und einen schönen Heimspielsamstag!

Danny

Mein Tipp: Kleeblatt 2:0 Düsseldorf

Matchstatistiken:

Bilanz: 20 Spiele, 6 Siege, 7 Remis, 7 Niederlagen. Torverhältnis: 28:22

Letztes Pflichtspiel: 11.09.2016: Düsseldorf 1:1 SpVgg Fürth (2. Bundesliga)

Form: SpVgg: NUNSU, Düsseldorf: NUNNU

Meine Wunschaufstellung: Megyeri – Gießelmann, Caligiuri, Franke – Van den Bergh, Sontheimer, Hofmannn, Zulj, Narey – Sararer, Dursun

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