Servus! Und wieder ist es schon fast eine Woche her, dass das Kleeblatt in Würzburg gespielt hat, und wenn ich ehrlich sein soll, so ganz verdaut ist das Spiel bei den Kickers noch immer nicht. Aber es hilft nichts, ob des Auftritts in Würzburg zu verzagen – am Sonntag steht schließlich das Spiel der Spiele an: Das Heimderby! Aber trotzdem, bevor ich ein paar Worte zum Derby verliere, wie gewohnt die Nachbetrachtung des letzten Spiels:

Das letzte Spiel: Würzburger Kickers 1:1 Spielvereinigung Fürth

Kreative Anreise nach Würzburg

Und irgendwie war es schon vorher klar. Kaum spricht man hier ein deutliches Lob für Janos Radoki und seine Mannschaft aus, erlebt man im darauffolgenden Spiel eine Enttäuschung und einen Rückfall in ältere Zeiten. Das Kleeblatt – wie unter Janos Radoki gewohnt im 3-5-2-System spielend mit Caligiuri, Franke und Gießelmann in der Verteidigung – konnte die Würzburger Kickers über die 90 Minuten hinweg nicht knacken, und war letzten Endes deutlich im Spiel des FWK gefangen! Schon zu Beginn des Spiels musste man deutlich sehen, dass das Spiel aus den letzten Begegnungen deutlich ausfällt: War das Spiel in den letzten Wochen stets schleppend verlaufen zu Beginn, musste man letzten Freitag deutlich erkennen, dass die Kickers von Beginn an eine gewisse Zweikampfhärte und ein gewisses Pressing aufzogen, auf das unsere Mannschaft nicht gut klarkam.

Um genau zu sein, ward unsere Mannschaft einer Stärke beraubt: Zwar durften nämlich die Abwehrspieler und auch die gelegentlich nach Hinten gerückten Außen (Van den Bergh und Narey) meist den Ball in Ruhe annehmen, doch sobald man versuchte nach vorne zu spielen, waren einerseits außer dem Nebenmann und dem Keeper alle Anspielstationen in Deckung, andererseits begann meist auch ein Würzburger, den Ballführenden anzulaufen. Da hoch und weit nun wahrlich nicht die größte Stärke des Kleeblatts ist, blieb unseren Spielern nun entweder der Quer- oder Rückpass, wobei dieser meist ohne Effekt verpuffte, oder doch der lange Schlag nach vorne. Im Endeffekt sah das dann meist so aus, dass die Dreierkette sich kurz den Ball zuspielte, bis die Kickers ebenfalls drei Spieler im Pressing vor der Dreierkette aufgebaut hatten. Während nun also die Würzburger mit diesem aufwändigen, aber äußerst effektiven Spiel unser komplettes Offensivspiel lahmlegten waren sie ihrerseits gerne mal bemüht, die Offensive anzugehen – waren damit aber nun wahrlich nicht erfolgreicher als wir.

Langeweile zur Halbzeit

Denn in einem Spiel, in dem die Würzburger Kickers alles dafür taten, die Fürther Offensive wirklich in keiner Situation ins Laufen zu bekommen, war es eine nur logische Folge, dass auch die Offensive der Mainfranken nicht zur Entfaltung kam. Um genau zu sein, nur jeweils kurz nach dem Anpfiff zur ersten und zweiten Halbzeit waren die Kickers in der Offensive wirklich angemeldet – in der ersten Halbzeit wurde dies durch einen Pfostenschuss deutlich, in der zweiten schließlich durch das Führungstor der Kickers. Nun muss man dazu sagen, dass besonders das Würzburger Tor niemals so fallen darf, wie es fiel: Kurz vor dem Tor hatte Hofmann den Ball, doch nach nur 2 Sekunden war er wieder weg – nach einem Fehlpass von Zulj. Als der Ball nach Außen gespielt war, hatte Gießelmann den Pass zwar abgefangen, konnte den Ball jedoch nicht kontrollieren. Und auch Van den Bergh konnte den Zweikampf nicht gewinnen – sodass der Kickers-Spieler auf Rechts die Grundlinie entlangging. Dann ließ sich Gießelmann ohne große Gegenwehr auswackeln, Narey ließ die zweite Flanke zu und in der Mitte war Schröck komplett ungedeckt – 0:1. Kurz nachgezählt boten sich mindestens 5 Gelegenheiten vor dem 0:1, diesen Treffer der Kickers zu verhindern, aber keine davon wurde genutzt.

Diese Szene mit fatalen Folgen steht exemplarisch für unser größtes Problem das komplette Spiel hinweg, offensiv wie defensiv: Kaum eine Ballbesitzphase unseres Kleeblatts konnte länger überstehen als ein paar Pässe in der Verteidigung plus einem, meist langem, Ball in die Spitze. Egal zu welcher Phase des Spiels, stets waren mindestens ein Kickersspieler in so ultimativer Nähe, dass der Ball nach nur kurzer Zeit wieder im Aus oder direkt beim Gegner war. Unzählige verlorene Zweikämpfe in eigenem Ballbesitz sprechen eine ebenso deutliche Sprache über das Fürther Spiel wie ca. 30% Fehlpassquote, nur 47% gewonnene Zweikämpfe (wobei man hier wieder erwähnen muss, dass in der Defensive meist der entscheidende Zweikampf ebenso gewonnen wurde) oder allgemein die Tatsache, dass die Innenverteidiger Franke (66), Caligiuri (50) und Gießelmann (49) circa ein Viertel der Fürther Pässe gespielt haben, und damit mit Abstand die meisten im Spiel (danach folgt Zulj mit 25) – aber auch bei den Kickers stammen die meisten Pässe von Innenverteidiger Neumann.


Szene aus dem Spiel. Bild:FWK auf Twitter

Allgemein kann man also von einem Krampf von Spiel reden, das wir am Freitag in Würzburg gesehen haben – wie erwartet, aber dennoch in der Art und Weise enttäuschend. Nun muss man allerdings akzeptieren, dass in der zweiten Bundesliga eben auch solche Spiele ihren Platz haben – ich habe ja bereits letzte Woche erwähnt, dass das eben der Kickers Taktik ist. Die Kickers – dieses Lob muss erlaubt sein – haben mit einer unfassbar effektiven Taktik zwar ihre eigene Offensive geschwächt, dafür aber eben eine unglaubliche Stabilität in der Abwehr geschaffen: nur 2 Schüsse und keine einzige Ecke sind die ebenfalls deutliche Sprache dieser Abwehr. Dass wir in diesem Spiel einen Punkt mitnehmen konnten ist zwar dem Zufall zu verdanken – aber in diesem Fall gilt es einfach, den Punkt dankbar mitzunehmen und das Spiel abzuhaken. Denn auch wenn mir mal wieder einige Worte zum Spiel aus den Fingern kamen, der Fokus liegt dennoch beim Spiel am Sonntag: Immerhin DEM Spiel des Jahres!

Das nächste Spiel: SpVgg Fürth – 5. FC Nürnberg


Derbysieger Kleeblatt Fürth!SpVgg-Fuerth.com

Und zwar das Heimspielderby gegen den FC Nürnberg, wie jedes Jahr doch immer wieder ein besonderes Spiel. Für die Fans beider Mannschaften wie für die Spieler – wobei, genau genommen merkt man Jahr für Jahr vor allem den Fürther Spielern an, die Ernsthaftigkeit des Derbys verinnerlicht zu haben, die Nürnberger scheinen damit gerne das ein oder andere Problem zu haben. Und im emotionalsten Spiel des Jahres – wenn ich ehrlich sein soll fällt es mir bei der großen Entfernung zwischen Spielfeld und Tribünen in Nürnberg immer wieder schwer, dort die große emotionale Bindung aufzubauen, die im engen Ronhof möglich ist – bietet sich nun beiden Mannschaften gleichermaßen, die Saison positiv wie negativ zu beeinflussen: Das Kleeblatt steht in der Tabelle auf Platz 11, mit 29 Punkten – und der FCN auf Platz 9, mit ebenfalls 29 Punkten. Das heißt, sollte das Derby mit einem Sieger abgepfiffen werden, steht dieser mit 3 Punkten über dem Rivalen – und könnte damit sorgenfrei in den Rest der Saison blicken. 32 Punkte mit 11 noch zu spielenden Partien wären dann letzten Endes die Bestätigung, noch mindestens eine Saison in der zweiten Liga spielen zu dürfen (oder müssen, bedenkt man die nürnbergischen Aufstiegswünsche).

Im Osten ist die Vorfreude noch eher bescheiden…

Und dennoch will aktuell nicht überall im Frankenland Vorfreude aufkommen: Während in Fürth in den Foren so langsam die Vorfreude aufblüht, mit 4 Spielen ohne Niederlage und nur zwei Gegentoren im Rücken durchaus verständlich, so ist in des Nachbars Umfeld eine deutliche Unlust zu verspüren. Die Fans des FC Nürnberg (Nach einem Artikel auf nordbayern.de nicht einmal der erste FC in Nürnberg, daher die Überschrift) verabschieden sich nach zwei Niederlagen ohne Torerfolg nun endgültig von den letzten aufflammenden Aufstiegshoffnungen, das Spiel des FCN ist derzeit dem Vernehmen nach (und auch von meinen Eindrücken her) vor allem durch Ungefährlichkeit nach Vorne und gelegentliche defensive Aussetzer geprägt. Besonders auf der linken Außenseite scheint es vergleichsweise einfach, zu Flanken zu kommen, aber auch die Innenverteidigung wackelt gelegentlich. Nach vorne fehlt nach dem Abgang Burgstallers derzeit ein Torjäger, die Offensivspieler Matavz, Gislasson, Parker, Kempe und co kommen derzeit nicht so richtig in Geltung – und so begibt es sich, dass die Nürnberger in der Rückrunde erst einen Sieg einfahren konnten, ein Unentschieden und drei Niederlagen stehen weiterhin zu Buche.

…bei mir in Fürth sieht das schon anders aus

Lässt man kurz die Ergebnisse außen vor, merkt man schnell: Beide Mannschaften sind von ähnlichen Problemen geprägt: Spielerische Stärken der Mannschaft kommen derzeit nicht in Geltung, das Toreschießen wird zum Problem, und die Spiele sind aus objektiver Sicht sicherlich kein Zuschauermagnet. Man könnte sagen, beide fränkische Vereine sind derzeit in ihrer Tristesse vereint, und teilen sich derzeit ihr Leid ob des traurigen Spiels. Doch hier kommt der kleine Unterschied zu tragen, der die beiden derzeit trennt: Während die Nürnberger wie erwähnt nur ein Spiel gewinnen konnten in der Rückrunde, drei verloren und davon die letzten zwei in Folge ohne eigenes Tor, sind die Fürther in angesprochener guter Form, blickt man auf die Ergebnisse. Gerade der Ronhof scheint derzeit wieder zu einer schwer zu erobernden Festung zu werden: Drei der letzten vier Heimspiele wurden gewonnen, die letzten zwei Heimspiele gegen den FCN wurden ebenfalls gewonnen – das erinnert nicht nur ein wenig an die Rückrunde der letzten Saison, als man ab März vier von sechs Heimspielen gewann. Und mal ehrlich – was wäre besser für den Start in die heiße Phase der Saison als ein Sieg gegen den Nachbarn. Und damit mal zur mittlerweile hier üblichen Personalsituation – schließlich benötigt es für einen Derbysieg 11 Derbyhelden auf dem Platz:


Marsch zum Derby: Jedes mal aufs neue ein Fest!SpVgg-Fuerth.com

Es fehlen verletzungsbedingt nur Stephen Sama und Jurgen Gjasula, weiterhin. Ansonsten stehen laut Janos Radoki alle Spieler des Kleeblatts zur Verfügung, auch Sercan Sararer steht wieder im Aufgebot des Trainers. Die daraus entscheidende Qual der Wahl in der Mannschaft bietet wieder Möglichkeit, die Stärken des Kleeblatts zu nutzen. Wie immer sei hier daran appelliert, die Abwehr der Nürnberger viel laufen zu lassen: 37 Gegentore sprechen für sich, zudem ist die Abwehr des FCN derzeit von vielen jungen Spielern geprägt, die man mit der Spritzigkeit von zB. Sararer, Bolly, Berisha oder auch Freis gut aushebeln kann – das Spiel des FCN gegen Bochum war wie ein Beweis dessen, als auf der Außenbahn bei der entscheidenden Szene unter anderem der junge Sabiri keinen Zugriff auf den Gegner hatte. Allerdings müssen in diesen Szenen einige Spieler, unter anderem Khaled Narey und auch Sararer, wieder mehr daran arbeiten, rechtzeitig das Auge für den Mitspieler zu finden, statt ein Dribbling zu beginnen, daran hakte es in den letzten Spielen deutlich. Eine erneute Aufstellung von Benedikt Kirsch ist gegen den FCN, der nicht mal im Ansatz so defensiv stehen kann wie die Würzburger Kickers, eine überlegenswerte Option um die Offensive und Defensive zu verknüpfen – denn auch wenn beide Teams derzeit eher spielerisch schwach Spielen, sind letzten Endes beide Vereine keine Defensivtruppe wie Würzburg. Neben Kirsch und Zulj würde ich persönlich die Schnelligkeit von Bolly nicht missen wollen – eine Überlegung könnte es daher sein, Bolly und Sararer in die Startelf zu berufen, und Dursun frisch von der Bank zu einem späteren Zeitpunkt zu bringen. Defensiv dagegen gibt es aus meiner Sichtweise keinen Grund für Personalrotation – ein wenig personelle Konstanz tut sicherlich allen defensiv Beteiligten gut.

Wer will das nicht sehen: Radoki mit dem Grinsen eines Siegers!

Abschließend auch heute wieder die Frage: Was erwartet uns am Sonntag? Ich möchte dazu tendieren zu sagen: Ein dem Spiel gegen Fortuna ähnliches Spiel. Beide Teams werden es wahrscheinlich vermeiden, zu früh viel Risiko zu gehen, sich der zuletzt mangelnden Qualität bewusst, und erst zaghaft Angriffe aufziehen. Das Kleeblatt als Team mit mehr Selbstvertrauen, der besseren Form und den Fans im Rücken sehe ich durchaus als etwas favorisiert an – und so denke ich tatsächlich, dass uns entweder ein langweiliges 0:0 blüht, in dem beide Teams kaum zu Chancen kommen. Oder aber, eine Mannschaft schafft vergleichsweise früh ein Tor, ohne dass der Ausgleich postwendend fällt. Dann könnte sich ein lebhaftes Spiel entwickeln – in beide Richtungen. Aber sind wir mal ehrlich, gegen die Nürnberger hatten wir die letzten Jahre des Öfteren Glück, und niemand würde sich beschweren, wenn es uns auch diesen Sonntag ereilt. Denn eines steht fest: Selbst 2000 Worte reichen kaum aus, das Gefühl eines Derbyheimsieges zu beschreiben, und dafür wird unsere Mannschaft erfahrungsgemäß alles tun! Ich freue mich auf das Derby – und hoffe, dass der ein oder andere es mir gleichtut, und wir am Sonntag gemeinsam im Stadion den Sieg feiern können!
Auf zum Derbysieg!
Danny

Mein Tipp: Kleeblatt 0:0 Nürnberg

Matchstatistiken:

Bilanz: 192 Spiele (Pflichtspiele); 54 Siege, 38 Unentschieden, 100 Niederlagen. Torverhältnis: 251:418

Letztes Pflichtspiel: 20.09.2016: FCN 1:2 SpVgg Fürth (2. Bundesliga)

Form: SpVgg: NSUSU; FCN: NSUNN

Meine Wunschaufstellung: Megyeri – Gießelmann, Caligiuri, Frnke – Van den Bergh, Kirsch, Hofmann, Zulj, Narey – Sararer, Bolly

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