„Habe aber durchaus Vertrauen in Radoki und bin daher entspannt“. So beschrieb ich noch vor wenigen Wochen in meinem Saisoneröffnungspost meine Gemütslage in Bezug auf die Saison, und unseren ehemaligen Trainer. Vier Ligaspiele und vier Liganiederlagen später hat sich schon so einiges geändert: Der Optimismus vor der Saison hat sich in eine Mischung aus Angst und Unverständnis gewandelt, die gute Laune um das Kleeblatt und die Transferperiode wich für eine in Franken nur allzu gut bekannte grundpessimistische Stimmung, und der eigentlich beliebte Trainer Janos Radoki ist nun nicht mehr Trainer einerseits, und auch sein glanzvolles Bild als geerdete und Identität stiftende Figur im Kleeblatt bekommt nicht nur deutliche Risse, sondern droht zu zerfallen – und das nicht grundlos!

Der Trainerwechsel – Sportlich und Menschliche Probleme?

Denn, so vermeldet es nicht nur der ominöse Buschfunk hinter vorgehaltener Hand, sondern ganz direkt und als große Story mehrere Zeitungen, darunter der Kicker, die Gründe der Trennung von Janos Radoki waren nicht nur sportlich. Der – zugegeben auch bei mir – beliebte Ex-Trainer des Kleeblattes scheint im Umgang mit den Spielern offenbar nicht allzu geschickt gewesen zu sein, um eine freundliche Formulierung zu verwenden: Emotionale Anfälle auf dem Trainingsplatz, öffentliche Bloßstellung von Spielern in den Pressekonferenzen, übertrieben hartes Training sind nur drei der Vorwürfe, die man gegen Janos Radoki erhoben hat, und die alle wohl auch nicht von der Hand zu weisen sind. Schon zu U19-Zeiten gab es vereinzelte Berichte, dass Radoki unsere Spieler deutlich über die Stränge behandelt hat – und durch eine Trainingsüberbelastung und daraus resultierende Unfitness der Spieler über volle 45 bzw. 90 Minuten ließe sich auch erklären, warum unsere Spieler immer gut beginnen und dann plötzlich sowohl fußballerisch als auch konzentrationsmäßig nachlassen und Spiele aus der Hand geben, die eigentlich fest in unserer Hand waren.


In Kiel…

Es ist nun eine Möglichkeit, von dem bisherigen Extrem der enormen Sympathie für Radoki, auf eine andere Seite zu wechseln und ihn für seine Methodiken zu verteufeln, wie dies im Kleeblatt-Forum oder auf Facebook bereits geschehen ist. Ich persönlich denke zwar auch, dass diese Methoden des Janos Radoki im modernen Fußball des 21. Jahrhunderts nicht mehr zeitgemäß sind, und es einem größeren Gespür für die Psychologie der Spieler und Trainingsbelastung bedarf, als Radoki es an den Tag legte. Aber – und das gehört zur ganzen Wahrheit nun Mal dazu – diese Methoden waren es auch, die in der letzten Rückrunde auf große Beliebtheit stießen, und auch ein wenig für die Ordnung in dem Kader sorgten, die zuvor vermisst worden war. Vereinfacht gesagt, so ist es nun mal im Sport: Läuft es, so kitzelt Radoki mit diesen Methoden noch mal Extra-Power aus seinen Spielern raus und motiviert sie zu guten Leistungen, läuft es nicht, destabilisiert er seine Spieler damit nur umso mehr. Ein guter Trainer muss heutzutage einfach auch über gewisse psychologische Fähigkeiten verfügen – oder einen guten Teampsychologen im Stab haben. Hier allerdings beginnt dann etwas, was man Radoki sehr wohl anlasten muss, und was offenbar bei Fans wie Vereinsführung der Beliebtheit zuliebe nicht beachtet wurde: Denn mit Martin Meichelbeck haben wir eigentlich einen Psychologen im Team – dass sich Radoki mit diesem absolut nicht verstanden hat, und diesen sogar aus dem Trainingszentrum verbannt hat, war für die Teammoral bestimmt nicht zuträglich.

Der Trainerwechsel schlägt Wellen bis nach Irland.

Nun lief es sportlich einige Zeit gut mit dem System Radoki – allerdings seit ca. dem Spiel gegen Braunschweig letzte Saison bereits kann man das jedoch definitiv nicht mehr sagen. Katastrophale Auftritte gab es zwar erst ab dieser Saison, davon deren gleich vier. Und eigentlich alle vier Male war es das selbe Schema: Die Mannschaft startet irgendwo zwischen hervorragend (Kiel und Bielefeld) und ganz passabel (Ingolstadt), lässt jedoch ziemlich schnell ziemlich stark nach, und spielt dann irgendwo auf dem Level der dritten bis vierten Liga weiter. Jedes Mal mit dabei: Katastrophale Standardverteidigung. So fiel bis auf das 1:0 von Bielefeld jedes Tor gegen uns direkt oder indirekt nach einem Standard (das Testspiel gegen die U20 am Donnerstag eingeschlossen), auch das Siegtor des FC Ingolstadt war nach einer Ecke und der folgenden Unordnung nach einem missratenen Klärungsversuch gefallen. Das Schema für jeden Gegner war einfach: Einfach nur stabil verteidigen und auf Standards spielen, dann werden wir ihnen schon ein Tor schenken. Und spätestens gegen Kiel sah man, dass die Abwehr auch ohne Standards zuweilen dem bekannten Hühnerhaufen ähnelt, und nicht nur bei Standards anfällig ist. Besonders im angesprochenen Spiel gegen Kiel war gut zu erkennen, dass so etwas wie eine Abstimmung innerhalb der Verteidigung komplett gefehlt hat, und wir dadurch in einige höchst überflüssige Schwierigkeiten geraten sind. Verwundern sollte das allerdings auch nicht, denn – und das muss man in der Tat Janos Radoki anlasten – auch Kontinuität in der Abwehr war Fehlanzeige. Mal durfte Gugganig in der Startelf ran, mal wurde er komplett aus dem Kader gestrichen. Dann wurde Korbinian Burger mal ein Nachwuchsspieler in den Kader berufen, und dann wieder gestrichen. Auch ein Stephen Sama war mal auf der Bank und mal draußen, und ganz zum Schluss wurde der Einsatz von Matti Langer, einem 27-Jährigen ohne jede Startelferfahrung aus einer Profiliga, als „Alternativlos“ verkauft – trotz einsatzbereiten Gugganig und Sama. Auch hier wieder: Die Signale, die diese unüberschaubaren Wechsel auf die Mannschaft sandten, sind wohl eher in die Richtung „Planlos“ einzuordnen, und sind für das Selbstbewusstsein der Spieler und die Abstimmung freilich äußerst kontraproduktiv. Ähnlich scheinbar willkürliche Wechsel mit gleichen Effekten gab es auch in der Offensive mit Kirsch und Gjasula, und besonders auf den Außen mit Omladic, Ernst, Torres und Berisha, sowie im Zentrum mit Hofmann und Dursun.

…wie in Fürth: Unzufriedenheit bei Fans…

Insgesamt muss man wohl vor allem eines festhalten: Einen größeren Plan hinter den Maßnahmen von Radoki zu finden, ist weder mir noch zahlreichen Fans gelungen. Seine Handlungen wirkten mehrfach einfach nur willkürlich bis hilflos, und waren zum Ende hin auch immer seltener von Glück geprägt. Zudem hielt er zu beständig an seinen Entscheidungen fest, so sie einmal getroffen wurden: Ein Wechsel auf Viererkette im Allgemeinen mit defensiverer Grundordnung wäre ebenso angebracht gewesen wie ganz Konkret im Spiel gegen Ingolstadt eine Auswechslung von Matti Langer, als dieser Rotgefährdet war. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass Radoki ein per se schlechter Trainer ist, zudem er noch am Anfang seiner Trainerkarriere ist, besonders bei ersten Mannschaften. Dass er das Ruder hätte herumreißen können mit einer Mannschaft die sich – sicherlich nicht grundlos und aus Jux und Tollerei – gegen den Trainer ausgesprochen hat, glaube ich jedoch ehrlich gesagt auch nicht. Vielleicht war auch der Schritt, den Aufstieg als (indirektes) Ziel auszugeben mit einer neu gewürfelten Mannschaft ein zu forscher – auf die Gefahr dieses Saisonziels habe ich ebenfalls bereits hingewiesen – oder aber es passte einfach nicht (mehr). Wie auch immer: Ein Festhalten an einem Trainer Janos Radoki ohne Rückhalt im Team hätte – denke ich – dem Verein größeren Schaden zugefügt, als die nun fehlende Identifikation der Fans mit dem Trainer es tut. Lange Rede, kurzer Sinn:

Die Entscheidung, sich von Radoki zu trennen, war richtig. Doch sie kann nur ein erster Schritt sein, jetzt müssen weitere folgen: Die Mannschaft einerseits, die jetzt unter dem neuen Coach beweisen muss, dass die bisher gezeigten Leistungen tatsächlich ihren Ursprung beim Trainer Janos Radoki haben, und dass sie zu deutlich besserem in der Lage ist. Es verhält sich wie mit den hohen Zielen des Vereins vor der Saison: Man kann sich durchaus gegen den Trainer aussprechen, dafür gibt es sicherlich gute Gründe. Nur ist man dann ganz besonders in der Lage, abliefern zu müssen!
Ebenso allerdings muss sich auch die Vereinsführung nun hinterfragen: Denn wie erwähnt, neu ist die Art von Janos Radoki sicherlich nicht. Es wird also niemand behaupten können, die Proteste der Spieler, die zweifelhaften Trainingsmethoden oder der Umgang mit Mitarbeitern des Trainingsstabs oder der Mannschaft käme überraschend. Warum also ging man vor der Saison das Risiko ein, Radoki einen neuen Mehrjahresvertrag zu verschaffen, um sich dann nach vier Spielen in der Liga vom Trainer zu trennen? Unter all diesen Aspekten gegen Radoki war es meiner Meinung nach bereits ein Fehler, diesem den neuen Vertrag anzubieten. Man hätte die Chance gehabt, vor der Saison mit einem neuen Trainer in die Vorbereitung zu gehen – und jetzt wird ein Trainer mitten unter der Saison benötigt, der ein bereits fertig zusammengestelltes Team übernehmen muss.

Verständliche Reaktion auf die Kandidaten bei Twitter

Fazit insgesamt: Mit suboptimal ist diese Situation noch freundlich beschrieben. Die sportliche Führung muss sich deutlich und offen hinterfragen, und aus diesem Schlamassel für die Zukunft lernen. Sowohl bei der Beurteilung der Situation, als auch bei der Trainerwahl. Ob dieser Prozess so realistisch ist, ist dann die andere Frage. Wenn man sieht, dass Tayfun Korkut gehandelt wurde und Joe Zinnbauer ernsthafter Kandidat ist – und sogar kurz vor einer Unterschrift steht angeblich – dann ist mein Glaube daran nicht sonderlich hoch: Beide Trainer sind bei all ihren Stationen bisher nicht gut weggekommen, und zeichnen sich dadurch aus, dass man ihnen Planlosigkeit nachsagt. Zudem, für das sportliche sicher irrelevant, für die Fans dafür umso wichtiger: Zinnbauer ist bekennender Fan des FC Nürnberg – für eine Identifikationsfigur folglich ungeeignet, würde er bereits im Vorfeld seiner Amtszeit nur Unruhe in die Fans bringen. Und wenn eines Sicher ist: Mehr Unruhe können wir definitiv nicht gebrauchen. Für mich bleibt daher für heute das Hoffen darauf, dass sich dieses Gerücht in Luft zerschlägt.

…und bei Spielern. Bild: Getty Images

Aber das werden wir die Tage sehen. Wie wir alle werde auch ich die nächsten Tage beobachtend vor den Bildschirmen und der Zeitung sitzen, und wir werden früh genug erfahren, welcher Coach unser Kleeblatt übernimmt. Eins ist auch klar:
Er wird einen Kader vorfinden, den ich weiterhin als gut befinde. Gerade auch mit den jüngsten Aktivitäten: Levent Aycicek, gekommen von Werder Bremen, hat sowohl Talent als auch Qualität, um die mangelnden Offensivbemühungen des Kleeblatts zu verbessern, und wird denke ich einen guten Einfluss auf unser Spiel haben. Julian Green, gekommen als Ersatz für den Wechselnden Veton Berisha, könnte auch einen guten Einfluss haben – immerhin, so meine Hoffnung, schafft es der US-Amerikaner auch einige 1-gegen-1-Duelle für sich zu entscheiden. Auch Geschindigkeitstechnisch wird er wohl kaum eine Schwächung sein im Vergleich zum stets bemühten, doch meist glücklosen Berisha. Beide Verpflichtungen also definitiv sinnvoller Natur, und besonders mit Aycicek ist uns denke ich ein echter Coup gelungen!

Und mit diesen doch etwas positiveren Worten will ich diesen Eintrag beenden – auch wenn man es kaum denken Mag, ich bezeichne mich ja weiterhin als Optimist. Wir lesen uns spätestens nach dem Spiel in Dresden wieder, wenn unser Kleeblatt hoffentlich endlich die ersten drei Punkte der Saison einholen konnte!

Danny

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