Einen schönen guten Mittwoch-Nachmittag! Lange habt ihr auf diesem Kanal nichts mehr von mir gehört, wer mir auf Facebook und/oder Twitter folgt, weiß die Hintergründe dessen – aber die aktuellen Geschehnisse rund ums Kleeblatt schreien ja quasi danach, verbloggt zu werden. In erster Linie soll es dabei natürlich um den jüngst vollzogenen Sportdirektorenwechsel von Ramazan Yildirim zu Rachid Azzouzi gehen, der vor einigen Stunden offiziell gemacht wurde.

Die richtige Entscheidung: Beurlaubung Ramazan Yildirims

Und diesen Wechsel würde ich persönlich gerne in zwei offensichtliche Teile teilen: Angefangen mit dem Schritt, sich nach fast zwei Jahren von Sportdirektor Ramazan Yildirim zu trennen. Dieser Schritt, das habe ich ja auch schon in der Überschrift vorweggenommen, ist meiner Meinung nach ein richtiger und gut nachvollziehbarer! Wenngleich Yildirim für mich stets einen eloquenten und sympathischen Eindruck gemacht hat, so ist das Ergebnis seiner Arbeit nahezu beständig negativer ausgefallen, je mehr man von dieser Arbeit zu sehen bekommen hat. Stärkstes Indiz für diese mangelnde Arbeitsqualität ist hierbei die zweite Mannschaft des Kleeblatts, die – dem Vernehmen nach – direkt von ihm zusammengestellt wurde, und in den letzten Saisons durchgehend nicht Wettbewerbsfähig zu sein scheint. Was dabei besonders ins Auge fällt ist, dass man während der Abstiegsrelegation der letzten Saison einen Trainer verpflichtet hatte, von dem man genau wusste, dass er für die letzten Spiele derselben Relegation dank eines neuen Vertrags in Havelse nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Für den Verein wichtiger ist jedoch ohnehin die Zusammenstellung der ersten Mannschaft des Kleeblatts. Und bei der wird die Sache schon schwieriger zu überschauen: Wie auch vor der Saison bin ich noch immer der Meinung, dass das Kleeblatt auf allen Positionen über einen durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen Zweitligakader verfügt, und die Verpflichtung der meisten Spieler rein qualitativ und einzeln betrachtet durchaus sinnvoll gewesen ist. Was jedoch von Spiel zu Spiel offensichtlicher wird, ist die absolut mangelhafte Zusammenstellung des Mannschaftsgefüges und die nahezu nicht ineinandergreifenden Zahnräder, die aus einer Sammlung guter Einzelspieler eine gute Mannschaft machen müssten. Exemplarisch nenne ich hierbei einfach mal den Sturm: Mit Dursun und Hofmann haben wir zwar zwei reine Stürmer im Kader, die durchaus hohe Qualitäten vorweisen könnten – jedoch fehlt sowohl ein mitspielender Stürmer, als auch eine Flügelzange, die unsere Stürmer mit guten Flanken so füttern können, dass aus der schieren Größe derer ein wirklicher Vorteil entsteht. Das Ergebnis ist bekannt: Khaled Narey hat die meisten Stürmertore, Dursun pendelt zwischen Bank und erster Elf, Hofmann zwischen Bank und U23, Marco Caligiuri ist unser Toptorschütze.

Aber auch die kreative Lücke von Robert Zulj konnte weder durch Systemwechsel, noch durch einen ähnlichen Spieler ersetzt werden – erst der von Hack eingefädelte Transfer von Levent Aycicek scheint hier Besserung zu bringen. Freilich ist Fürth auch Yildirims erste Stelle als Sportdirektor – dennoch, auf die Idee, bullige und großgewachsene Stürmer mit gut flankenden Außenstürmern zu versehen, kommt selbst jeder unerfahrene Football-Manager-Spieler.

Summa Summarum muss man einfach den Schluss tätigen, dass Yildirim in seiner Arbeit zu sehr auf die blanke Qualität der Einzelspieler geachtet hat, und Faktoren wie Moral, Charakter (man siehe hierzu auch meinen Eintrag zur Trainerentlassung), und Kompatibilität der Einzelspieler sträflich vernachlässigt hat. Was in der Summe eben ausmacht, dass es sich um Yildirim derzeit nicht um einen Sportdirektor handelt, dem man ein Zweitligateam anvertrauen sollte – wahrscheinlich würden ihm ein paar Jahre als Assistent mehr helfen, um derartige Fehler auszuschließen. Sei es wie’s sei, die Trennung von Yildirim ist ob der aktuell mehr als prekären Lage auch vor Vertragsende der einzig logische Schluss, will man in der Wintertransferphase den Kader bezüglich der Zusammenstellung noch ergänzen.

Die bequeme Entscheidung: Rachid Azzouzi kehrt zurück

Der zweite Teil ist die Suche nach dem Nachfolger, die wohl die letzten Tage überdauerte. Und, das wird wohl jeder mitbekommen haben – dieser Nachfolger ist schon gefunden! Womit wir bei einem Thema sind, das ich für problematisch ansehe: Mit Rachid Azzouzi kehrt der Sportdirektor zurück, der das Kleeblatt in seiner erfolgreichsten Zeit begleitet hat, das stimmt durchaus. Was man allerdings dazu erwähnen muss ist folgendes: Nicht zu Unrecht hatte er stets den Ruf, dass er von Hack hauptsächlich als Hotel- und Flugbucher eingesetzt wurde, und die relevante sportliche Führung von Hack geschmissen wurde – ein Modell, dass bei uns zwar über Jahre hinweg funktionierte, aber für die Jahre 2017 und 2018 nicht mehr Zeitgemäß erscheint. Ich gehe zwar auch nicht davon aus, dass die Kompetenzverteilung erneut diese krassen Ausmaße haben wird, da sich Rachid vor seiner erneuten Einstellung in einer deutlich verbesserten Verhandlungsposition befunden haben wird, als noch vor vielen Jahren – die Wahrscheinlichkeit, dass Hack einen Strohmann vorschickt, um trotzdem Entscheidungen im Alleingang zu treffen, schätze ich für gering ein. Dennoch heißt das nicht unbedingt, dass das Duo Hack/Azzouzi mit mehr Kompetenz für letzteren zum erneuten Erfolgsmodell wird. Und vor allem: Die Situation des Abstiegskampfs haben in Fürth beide noch nicht gemeinsam erleben müssen.

Was folgende Frage und dem anschließende aufwirft: Ist die Qualität eines Rachid Azzouzi, der sowohl in Hamburg bei unserem Gegner FC St. Pauli als auch bei Fortuna Düsseldorf vorzeitig seinen Job beenden musste, für eine derartig wichtige Aufgabe ausreichend? Wird er die jahrelange Erfahrung im Umgang mit Helmut Hack nutzen können, um direkt gute Entscheidungen treffen zu können? Haben sich die internen Strukturen seit seinem Abgang 2012 entscheidend verändert, sodass er sich doch erstmal eingewöhnen muss? Das alles sind Fragen, die ich zu gerne beantworten könnte, die jedoch nur die Zukunft beantworten kann. Grundsätzlich traue ich es Rachid schon zu, eine bessere Arbeit beim Kleeblatt abzuliefern, als Ramazan Yildirim das geschafft hat – jedoch sollte dessen Arbeit auch nicht zwingend als großer Maßstab dienen.

Was ich jedoch sagen kann, und damit an den Blogtitel anschließen möchte: Die Lösung, einfach Rachid Azzouzi aus der Arbeitslosigkeit zum Kleeblatt zurückzuholen, und damit auf eine schnelle und einfache Lösung zu hoffen, ist äußerst bequem. Logisch, im Abstiegskampf kann man keine neuerlichen Machtspielchen und Eingewöhnungsphasen mit neuen Sportdirektoren gebrauchen, aber die einfachste aller Lösungen, eine schon mal erfolgreiche Lösung unter völlig anderen Voraussetzungen erneut versuchen? Ich bin ehrlich, ich bin äußerst skeptisch ob dieser erneut internen Lösung von Helmut Hack, die vor allem auf möglichst wenig interne Konflikte und wenig interne Kritik gegen seine Person hinausläuft. Ob es nun mit dieser internen Lösung gut gehen kann, werden wir sehen. Doch selbst, wenn es das Team um Buric und Azzouzi mit dem Nichtabstieg schafft, wurde mit dieser Entscheidung definitiv kein Grundstein für eine langfristige Lösung gelegt in Fürth, viel mehr macht das alles auf mich den Eindruck des Schemas F, das man schon mit der zweiten Amtszeit Mike Büskens erfahren durfte – und wie das endete, das ist uns allen bekannt. Spätestens im Sommer werden wir erneut die Diskussion haben, wie die Zukunft der Führung im Kleeblatt aussehen wird – und wir werden um ein wenig externe Erfahrung und gehörige Auffrischung der Strukturen im Kleeblatt nicht herumkommen, wenn wir weiterhin Zweitligist sein wollen.

Aber – auch das ist klar – das sind Themen, die uns in der Winterpause, oder noch besser nach geglücktem Klassenerhalt in der Sommerpause beschäftigen sollten. Jetzt zählt nur der Abstiegskampf, und ein Sieg gegen den FC St. Pauli. Auf dass wir im Sommer noch eine Zweitligamannschaft haben werden, für die ein langfristiger Grundstein gelegt werden sollte. Und dafür, bequeme und interne Lösung hin oder her, hoffe ich auch auf Rachid Azzouzi.

Danny

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